Milliarden für KI: EZB warnt vor gefährlichen Nebenwirkungen
Unternehmen investieren Milliarden in künstliche Intelligenz. EZB-Präsidentin Christine Lagarde sieht darin große wirtschaftliche Chancen – aber auch Gefahren für Finanzmärkte, Beschäftigung und Geldpolitik.
Künstliche Intelligenz entwickelt sich nach Einschätzung von Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), zu einer bedeutenden wirtschaftlichen Kraft. Die Technologie könne Produktivität und Wachstum steigern, verändere aber zugleich Investitionen, Arbeitsmärkte und möglicherweise auch die Inflation.
Damit werde KI zunehmend für die Geldpolitik relevant, erklärte Lagarde in einer Rede in Brüssel. "Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, die Art und Weise zu verändern, wie wir produzieren, arbeiten und Innovationen entwickeln", so die EZB-Präsidentin.
"Europa hat eine echte Chance"
Nach Angaben Lagardes dürften Unternehmen im Euroraum 2026 rund zehn Prozent ihrer gesamten Investitionen für KI aufwenden. Die KI-bezogene Kreditaufnahme habe zuletzt etwa ein Viertel des Wachstums bei Unternehmenskrediten ausgemacht.
Die Technologie wird zwar zunehmend eingesetzt, eine umfassende Integration ist bislang jedoch selten. Ende 2025 nutzten 38 Prozent der Unternehmen im Euroraum KI zumindest in moderatem Umfang. Lediglich sieben Prozent setzten sie nach Angaben der EZB in größerem Maßstab ein.
Damit KI ihre wirtschaftliche Wirkung entfalten könne, seien erhebliche Investitionen in Innovation, Rechenzentren, Energieversorgung, betriebliche Prozesse und die Fähigkeiten der Beschäftigten erforderlich. "Europa hat eine echte Chance, diese Technologie zu nutzen. Doch der Erfolg stellt sich nicht automatisch ein", betonte Lagarde.
Risiken für die Finanzmärkte
Die steigende Finanzierung des KI-Ausbaus birgt nach Einschätzung der EZB-Präsidentin auch Gefahren. Die Bewertungen an den globalen Aktienmärkten konzentrierten sich zunehmend auf eine kleine Zahl von KI-Unternehmen, die zugleich immer mehr Fremdkapital aufnähmen.
"Eine deutliche Neubewertung der Aussichten von KI-Unternehmen und der Tragfähigkeit ihrer Schulden könnte Marktkorrekturen auslösen und auf Anleger im Euroraum sowie die Gesamtwirtschaft übergreifen", warnte Lagarde. Damit rücken nicht nur die erhofften Produktivitätsgewinne, sondern auch die Qualität der finanzierten Projekte und die Schuldentragfähigkeit der Unternehmen in den Fokus.
Folgen für den Arbeitsmarkt noch offen
Mehr als die Hälfte der Beschäftigten nutzt laut Lagarde bereits KI bei der Arbeit. Welche Folgen dies langfristig für die Beschäftigung hat, hängt maßgeblich vom Einsatzgebiet ab. Unternehmen, die KI für Forschung und die Entwicklung neuer Produkte verwenden, stellen tendenziell zusätzliche Mitarbeiter ein. Firmen, die mit der Technologie vor allem Personalkosten senken wollen, bauen dagegen eher Stellen ab.
"Die zentrale Frage ist daher, ob KI Arbeitnehmer langfristig und für die Wirtschaft insgesamt vor allem ergänzen oder ersetzen wird", sagte Lagarde. Aus geldpolitischer Sicht bleibt entscheidend, wie sich die Technologie auf Produktivität, Nachfrage und Preise auswirkt. Steigende Investitionen könnten zunächst die Nachfrage und damit den Preisdruck erhöhen. Langfristig könnten Produktivitätsfortschritte dagegen kostendämpfend wirken. Die EZB werde die Entwicklung daher genau beobachten. (mb)















