Die Wertpapierrichtlinie Mifid II und die dazugehörende Verordnung Mifir hat dem europäischen Gesetzgeber harte Kritik der Betroffenen eingebracht: "Kundenärgernis" oder "Alptraum für Berater" war da angesichts angesichts von Papierflut und Informationsüberfluss zu hören.

Zwei Jahre nach Geltungsbeginn im Jänner 2018 gibt die EU-Kommission nun den Finanzmarktteilnehmern – Bürgern und Gesellschaften – die Möglichkeit, ihre Bedenken und Änderungswünsche einzubringen. Sie hat eine Konsultation gestartet, um mögliche Reformen einzuarbeiten. "Gefragt wird insbesondere nach sinnvollen Änderungen bei den Anlegerschutzvorschriften", teilt die Kommission mit. Diese sollen eine bessere Balance finden zwischen Kapitalmarktbeteiligung und Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Finanzsektors auf der einen seite und Anlegerschutz auf der anderen. 

Dazu hat die Kommission einen Fragebogen online gestellt, der in einer lang- oder Kurzversion beantwortet werden kann (siehe unten). Die Konsultation läuft bis April. 

Preisvergleichs-Tool für Kleinanleger beim Börsenhandel
Zur Diskussion stellt die Kommission zum Beispiel, dass die Anleger europaweit ein "Transparenzinstrument" erhalten, das "in Echtzeit Auskünfte zu aktuellen Preisen von Vermögenswerten in der gesamten EU geben soll". Ein einheitliches Preisvergleichstool zur Konsolidierung von Handelsdaten in der gesamten EU (das so genannte konsolidierte Band/Consolidated Tape/CT) solle den Brokern helfen, "die Liquidität zum besten auf den europäischen Märkten verfügbaren Preis zu lokalisieren". Die Anleger sollen in die Lage versetzt werden, die Leistung ihres Brokers bei der Ausführung eines Auftrags zu bewerten.

Praktische Erfahrungen mit einem CT gebe es bereits in den USA, heißt es. Der Effekt wäre am Ende auch eine "Demokratisierung" des Börsenhandels, weil den kleineren Anlegern und ihren Vermittlern im Unterschied zu großen Marktteilnehmern oft die Gesamtsicht fehlt. Sie kaufen in der Regel keine Dienste bei Datenanbietern zu und haben daher häufig keiner "konsolidierte Sicht darauf, wo Finanzinstrumente gehandelt werden, wie viel und zu welchem ​​Preis gehandelt wird", skizziert die Kommission das Problem. 

Seit 2018 einzuhalten
Mifid II und Mifir gelten seit Jänner 2018. Sie haben die "Funktionsweise und Transparenz der EU-Finanzmärkte erheblich verbessert", schreibt die EU-Kommission in einer Aussendung. Sie muss, wie bei Regulierungen üblich, die neuen Rechtsakte beurteilen und dem Parlament und dem Rat einen Bericht über die Anwendung vorlegen, so wie - wenn nötig - Änderungsvorschläge unterbreiten. Das geschieht nun im Rahmen der Konsultation. (eml)


Service: Hier finden Sie das Konsultationspapier in voller Länge (nur Englisch): https://ec.europa.eu/info/sites/info/files/business_economy_euro/banking_and_finance/documents/2020-mifid-2-mifir-review-consultation-document_en.pdf
Hier kommen Sie zur Anmeldung für den Fragebogen: https://ec.europa.eu/info/law/better-regulation/initiatives/mifid-2-mifir-review-2020-0/public-consultation_de