Diesel-Skandal hin oder her: Richard Woolnough, Fondsmanager des M&G Optimal Income Fund, findet ausgrechnet deutsche Autoaktien interessanter denn je. In seinem Portfolio setzt er daher gezielt auf die Papiere der Premiumhersteller Daimler und BMW. "Wir halten deren Gewinne für nachhaltig und ausbaufähig", erklärt Woolnough in einem Interview mit dem "Handelsblatt".

Im Vergleich zu den Anleihen der beiden Unternehmen seien die Aktien derzeit extrem billig. "Sie werden wie konjunkturabhängige Titel gesehen, sind aber Marken", sagt der Fondsmanager. Gemessen daran sei ein Kurs-Gerwinn-Verhältnis von unter zehn sehr niedrig. "Marken kosten oft das Dreifache", so Woolnough.

Keine Aktien bei neutraler Markteinschätzung
Insgesamt machen Aktien lediglich drei Prozent am Vermögen des M&G Optimal Income aus. Der ausgewiesene Bond-Experte Woolnough stockt nur auf, wenn er die Aktie eines Unternehmens für deutlich spannender hält als dessen Anleihen. "Bei einer neutralen Sicht auf die Märkte halten wir gar keine Aktien", sagte er.

Interessante Bonds findet der M&G-Mann aktuell im europäischen Finanzsektor. Viele Banken haben in jüngster Zeit verstärkt Anleihen begeben, da sie aufgrund der Regulierung mehr Kapital benötigen. Zudem kauft die Europäische Zentralbank (EZB) Schuldtitel von Unternehmen, nicht aber Finanzwerte. Finanzbonds seien daher "historisch günstig gegenüber Hochzins-und Firmenpapieren", erklärt Woolnough.

Finanzbonds machen 25 Prozent aus
Insgesamt liege der Anteil an Finanzbonds inzwischen bei gut 25 Prozent des Fondsvermögens. "Wir haben auch ein paar italienische Banken im Fonds", sagt Manager. Ansonsten schaue er sich in Südeuropa, etwa in Spanien, vorsichtig um.

Um renditeträchtige Unternehmensanleihen zu finden, nimmt Woolnough vor allem den Technologie-und Telekomsektor in den USA ins Visier: Verizon, AT&T und Microsoft sind aktuell die größten Fondstitel. "Vor allem bei längeren Laufzeiten werden wir bei Telekoms gut für die Kreditrisiken bezahlt", erklärt der Bonds-Profi. Der US-Firmenbondmarkt sei durch die Anleihekäufe der Notenbank Federal Reserve (Fed) nicht verzerrt worden, die Papiere seien daher günstiger. "Für dieselbe Qualität – also dasselbe Ausfallrisiko, das ein Investor eingeht – bekommt er in den USA mehr Rendite als in Europa", ist Woolnough überzeugt.

Staatsanleihen grundsätzlich "unattraktiv"
Und Staatsanleihen? Grundsätzlich findet der Fondsmanager solche Schuldtitel unattraktiv. "Aber wir brauchen auch Papiere ohne Risiko – wir wollen unser Cash nicht nur auf Bankkonten halten", räumt er ein. Daher nimmt er Bonds aus den Peripherieländern Europas ins Portfolio. Die größte Position seien aktuell aber deutsche Staatsanleihen mit über zehn Prozent des Fondsvermögens. (am)