Schwellenländer-Investoren schauen zurzeit gespannt nach Argentinien. Am Sonntag (27. Oktober) wählt die argentinische Bevölkerung einen neuen Präsidenten. Antreten werden der amtierende Präsident Mauricio Macri und der populistisch-sozialistische Oppositionskandidat Alberto Fernandez, der die Vorwahlen im August völlig überraschend für sich entschied und einen veritablen Börsencrash auslöste. Wer sich von den Kandidaten im Vorfeld eine klare Aussage erhofft hat, wie die neue Regierung die gravierenden Probleme im Land angehen will, wurde enttäuscht. "Die Kandidaten vermeiden Aussagen, die ihnen vor der Wahl schaden könnten", erklärt Claudia Calich, Anlageexpertin bei M&G.

Dabei könnte das krisengebeutelte Land einen Rettungsplan gut gebrauchen. 2018 war das Land in die Rezession gerutscht. Noch immer liegt die Wirtschaft brach, und die Inflation im Land ist hoch. "Die Maßnahmen zur kurzfristigen Stabilisierung der Situation – die Umstrukturierung kurzfristiger Schulden, Währungskontrollen sowie Maßnahmen zur Kaufkraftunterstützung – haben die Aussichten für die Wirtschaft eher verschlechtert", sagt Calich.

Große Finanzierungslücke
Der argentinische Peso hat im bisherigen Jahresverlauf um 35 Prozent und seit Anfang 2018 um 70 Prozent an Wert verloren. Nach den neuen Beschränkungen des Devisenhandels ist das Vertrauen in die Währung dahin. Denn die Erfahrung zeigt, dass "die Beseitigung derartiger Maßnahmen schwierig ist", erklärt Calich. Die Schuldenprobleme Argentiniens bleiben indes bestehen. Für den Rest des Jahres sowie für 2020 sieht die Expertin eine erhebliche Finanzierungslücke. (fp)