Es ist eine knappe Entscheidung, doch die Sache könnte noch eine positive Wendung nehmen. Am heutigen Freitag (22. Mai 2020) muss Argentinien mit seinen Gläubigern einen Weg aus der Schuldenkrise finden. Ansonsten droht ein erneuter Staatsbankrott. Das Land befindet sich in einer schwierigen Situation, die wenig fiskalischen Spielraum lässt. Doch es gibt Grund zur Hoffnung: "In den letzten Tagen hat sich gezeigt, dass ein Kompromiss möglich ist. Inzwischen gibt es nur noch eine kleine Lücke zwischen den Forderungen der Gläubiger in Bezug auf den Rückzahlungswert der Anleihen und dem Angebot der argentinischen Regierung", sagt Claudia Calich, Leiterin Schwellenländeranleihen bei M&G Investments.
 
Bei der Lösungssuche erweist sich Argentinien als äußerst kreativ. "Die aufgelaufenen Zinsen, die Anleger bei Umstrukturierungsprozessen normalerweise erhalten, sollen bis zum Beginn der Zahlung des ersten Kupons nicht abgedeckt werden", erläutert Calich. Und auch die Gestaltung dieser Kupons sei ungewöhnlich. "Der Einsatz von Instrumenten wie Optionen, die an das Wirtschaftswachstum gekoppelt werden, würde den Wert des Angebots erhöhen. Solche Optionen sind für beide Seiten von Vorteil, da sie die Interessen der Anleihegläubiger und das Wohlergehen des Landes in Einklang bringen", so Calich. Dies sei ein fairer Vorschlag, von dem beide Seiten profitieren.
 
Kompromiss in Aussicht
"Der von den Anleihegläubigern vorgeschlagene Schwellenwert bedeutet, dass der Wert der Optionen steigt, wenn die argentinische Wirtschaft laut offiziellen Statistiken des Internationalen Währungsfonds um drei Prozent oder mehr wächst" erklärt Calich. Davon würden nicht nur die Anleihegläubiger profitieren. Das Wachstum würde gleichzeitig bedeuten, dass sich die Wirtschaft des Landes besser entwickle und das Einkommensniveau der Bevölkerung wieder steige. "Vor diesem Hintergrund ist es sehr wahrscheinlich, dass Argentinien und seine Gläubiger zu einer Einigung kommen werden", sagt Calich. (fp)