US-Präsident Donald Trump will eine Rezession im eigenen Land um jeden Preis verhindern – wohl auch, um seinen eigenen Kopf zu retten. Denn ein Wirtschaftsabschwung könnte seine Wiederwahl im kommenden Jahr gefährden, sagt Edgar Walk, Chefvolkswirt bei Metzler AM. In der Geschichte der USA hätten es nur zwei US-Präsidenten geschafft, trotz Rezession in ihrem Amt bestätigt zu werden: Theodore Roosevelt im Jahr 1904 und Calvin Coolidge im Jahr 1924.

Für Investoren ist das eine gute Nachricht: Denn die Angst vor einem Kippen der Konjunktur könnte den US-Präsidenten zu mehr Zurückhaltung verleiten. Um seine Chancen auf eine Wiederwahl 2020 nicht weiter zu schmälern, werde Trump im Handelsstreit mit China voraussichtlich kein zusätzliches Öl ins Feuer gießen, ist Walk überzeugt. Bisher sei es für ein Umlenken noch nicht zu spät: "Noch stehen viele Konjunkturdaten im Einklang mit einer moderat wachsenden Weltwirtschaft."

Unternehmen sind besorgt
Ende Juli schürte Trump neue Ängste vor einer globalen Rezession, als er Strafzölle von zehn Prozent auf chinesische Importe von mehr als 300 Milliarden US-Dollar ankündigte. Das plötzliche Ende des Waffenstillstandes traf die Märkte völlig unvorbereitet. "Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass der unberechenbare Verlauf des Handelskonflikts die Unternehmen so sehr verunsicherte, dass sie ihre Investitionsausgaben massiv einschränkten", sagt Walk. Der derzeitige Abschwung sei eine Folge dieser Entwicklung. Nun könnte er in einer Rezession münden. (fp)