Martin Lück: "Die Notenbanken sind gebrannte Kinder"
Der Chefstratege von Franklin Templeton spricht im Interview über die geopolitische Pattsituation, Fehlanreize hinter der neuen Fed-Führung sowie seine Skepsis gegenüber dem KI-Produktivitätsversprechen. Und über eine Portfoliostrategie, die er in einem Wort zusammenfasst: "Broadening".
Die Straße von Hormus ist geschlossen, die strategischen Ölreserven schmelzen, und in Asien stehen Menschen bereits Schlange an den Tankstellen. Was vielen noch wie ein fernes Krisenszenario erscheint, ist nach Beobachtung von Martin Lück, Chefstratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa bei Franklin Templeton, bereits bittere Gegenwart in Teilen der Welt. Sollte sich das Tauziehen um eine Lösung des Nahostkonflikts über den Sommer hinausziehen, werde auch Europa die physische Knappheit zu spüren bekommen, und zwar mit direkten Konsequenzen für Anlegerportfolios.
Besonders kritisch sieht Lück die Lage der großen Notenbanken. Jahrelang von Inflationsschüben überrascht und in ihren Reaktionen zu langsam, seien Fed und EZB zu "gebrannten Kindern" geworden. Die personellen Veränderungen an der Spitze der US-Notenbank verstärken die Unsicherheit aus seiner Sicht: Hinter der neuen Fed-Führung sieht Lück strukturelle Fehlanreize, die eine verlässliche Geldpolitik erschweren könnten.
Nicht eingelöstes Versprechen
Auch beim Thema künstliche Intelligenz dämpft der Stratege überzogene Erwartungen. Das Produktivitätsversprechen der KI sei bislang nicht eingelöst, die Investitionszyklen seien lang und die gesamtwirtschaftlichen Effekte schwer messbar. Wer auf einen schnellen Wachstumsschub durch KI setze, könne enttäuscht werden.
Was also tun? Lücks Antwort lautet "Broadening", also eine gezielte Verbreiterung des Portfolios über klassische Anlageklassen hinaus. Das traditionelle 60/40-Portfolio aus Aktien und Anleihen sei der aktuellen Gemengelage nicht gewachsen. Stattdessen brauche es eine differenziertere Aufstellung, die geopolitische Risiken, Rohstoffbewegungen und veränderte Zinsregimes gleichermaßen berücksichtige. (hh)
Einige ausgewählte Zitate aus dem Interview mit Martin Lück haben wir in der Bilderstrecke oben für Sie zusammengetragen – einfach durchklicken. Das vollständige Gespräch findet sich in Ausgabe 2/2026 von FONDS professionell ab Seite 82 und nach Anmeldung hier im E-Magazin.




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