Die Situation beim Handelskonflikt zwischen China und den Vereinigten Staaten ist aus der Sicht Europas vertrackt: Selbst in dem Fall, dass der Streit beigelegt werden sollte, droht dem Kontinent, dessen Geschäftsklima ohnehin bereits deutlich darunter leidet, ein weiterer wirtschaftlicher Bedeutungsverlust. 

"Es ist zu befürchten, dass es zu einer Lösung kommt, bei der Europa zum Verlierer werden könnte", sagt Adrian Daniel, Portfoliomanager bei Mainfirst Asset Management im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE. Möglich wäre, dass die USA und China eine Quotenregelung beschließen. China und die USA könnten zum Beispiel wechselseitig eine Abnahmequote für Agrarprodukte aus den USA und für Produkte aus Chinas Vorproduktion vereinbaren. "Europa mit seiner exportorientierten Wirtschaft würde in diesem Fall als Verlierer dastehen", so Daniel.

Ein Problem sei auch, dass die USA nur bilaterale Gespräche führen. "Trump hat erkannt, dass es zum eigenen Vorteil ist, wenn er nicht auf Augenhöhe verhandeln muss. Er spricht daher nicht mit der EU als solche, sondern mit jedem Land einzeln", so Daniel.

"Es geht nicht um Zölle"
Man dürfe nicht aus den Augen verlieren, dass es den beiden Großmächten China und USA bei den Handelsstreitigkeiten nicht in erster Linie um die Optimierung der Zolleinnahmen geht, sondern darum, dass der eigenen Volkswirtschaft langfristig die Führungsrolle zukommt. "Noch sind die USA der Platzhirsch, aber China erhebt in seinem Handeln ebenso den Führungsanspruch. Dieser Konflikt wird uns daher länger erhalten bleiben", so Daniel.

Der Druck werde nicht nachlassen. Das liege insbesondere daran, dass China enorm unter Zugzwang sei, sein Wachstumsmodell anzupassen. Das Konzept der verlängerten Werkbank, wo China mit günstigen Produkten am Weltmarkt punkten konnte, werde aufgrund rasant steigender Lohnkosten obsolet. Noch dazu werde die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte aufgrund der Ein-Kind-Politik in absehbarer Zeit nicht mehr wachsen. In diesem Umfeld unterstreiche die Volksrepublik mit sehr hohen Investitionen ihren Willen, das Wachstum in Richtung Qualität anzuschieben.

Milliardeninvestments in Halbleiterindustrie
Ein Beispiel sei die Halbleiterindustrie, wo China versucht habe, sich in den vergangenen Monaten mit aller Stärke zu positionieren und "von den Intels der Welt" abzugrenzen. "Bis 2025 sollen 70 Prozent der in China verwendeten Speicherchips im Inland hergestellt werden, derzeit sind es nur acht Prozent. China hat einen 29 Milliarden Dollar schweren Fonds aufgelegt, der allein diesem Bereich zur Verfügung steht", erklärt Daniel.

Ein hoher Eigenanteil in der Halbleiterindustrie würde China unabhängiger machen in Sachen Big Data oder künstliche Intelligenz. Nicht ohne Grund sei Huawei als führender Halbleiterhersteller Chinas unlängst in den Mittelpunkt der Diskussionen im Handelsstreit gerückt, sagt Daniel. Die USA haben Huawei auf eine schwarze Liste gesetzt, wonach es US-Firmen nur mehr erschwert möglich ist, mit dem chinesischen Unternehmen Geschäfte abzuschließen.

Chinas Strategie wiederum sei es, die Herkunftsbezeichnung "Made in China" bis 2025 aufzuwerten, analog dem Modell "Made in Germany". "Qualitätsprodukte erhalten Vorrang, und in der Produktion werden zum Beispiel Umweltstandards stärker berücksichtigt. Das erzeugt höheren Wettbewerb mit den Märkten USA und Europa, die bisher mit besserer Qualität argumentieren konnten", sagt Daniel.

"Für Deutschland absolut unschön"
"Aus deutscher Sicht ist die Situation absolut unschön", so Daniel angesichts der Exportlastigkeit der deutschen Volkswirtschaft. Dazu tragen aber auch die eigenen Produzenten bei, wie man am wichtigen Automotive-Sektor sehe. Beispiel Daimler: Der Autobauer wartete in diesem Jahr mit zwei Gewinnwarnungen auf und bestätigte hohe Belastungen der Margen durch die E-Mobilität.

Laut Daniel ist es schwer, abzuschätzen, ob die Investitionen der deutschen Autobauer überhaupt aufgehen. Denn zum einen sei der Absatz von Elektroautos derzeit noch stark von der Förderung der E-Mobilität und von der Regulierung abhängig. Und es sei völlig unklar, wie stark solche Produkte kurz- bis mittelfristig nachgefragt werden. Zum anderen habe sich gezeigt, dass ein Hersteller, der 100 Jahre Verbrennungsmotoren produziert, die Kehrtwende offenbar nicht so leicht schafft: "Bei Tests hat man gesehen, dass sieben oder acht Jahre alte Tesla-Modelle besser abschnitten als neuere E-Modelle der deutschen Konkurrenz. Das ist eigentlich schockierend", so Daniel. Noch dazu würden die Autohersteller selbst Zweifel erwecken, wie ernst sie es tatsächlich meinen, wenn sie etwa einen Anteil ihrer E-Flotte von nur vier Prozent anpeilen. "Da kann man sich fragen, ob das nur Marketing ist".

US-Unternehmen noch immer Vorreiter
Anleger, die von strukturellen Trends wie dem Wandel in der Mobilität oder der Digitalisierung profitieren wollen, kommen laut Daniel derzeit nicht um die großen börsennotierten Unternehmen im Tech-Bereich herum. "Die großen US-Platzhirsche laufen dem Rest der Welt immer noch den Rang ab", so Daniel. Dazu gehören bekannte Namen wie Amazon oder auch Microsoft, das auf die Cloudtechnologie gesetzt hat. "Gerade bei solchen Plattformenthemen können etablierte Unternehmen ihre Führungsrolle ausbauen, weil sie aufgrund der hohen Nutzeranzahl Skalenvorteile haben", so Daniel.

Auch der vor einem Jahr an den Markt gebrachte Mainfirst Global Equity Unconstrained setzt auf Unternehmen, die in einer Welt struktureller Umbrüche bestehen können. Der Fonds hat im bisherigen Jahresverlauf eine Wertsteigerung von 27,2 Prozent hingelegt. Im MSCI World sind es derzeit rund 21 Prozent. "Wir sehen uns an, welche Unternehmen das Potenzial haben, in fünf bis zehn Jahren an der Spitze ihres Segmentes zu stehen und ein zweistelliges organisches Wachstum haben. Das Plus, das wir in diesem Jahr hatten, zeigt, dass aktives Management gerade auch dann einen Unterschied macht, wenn es an der Börse gut läuft", so Daniel. (eml)