Wie in jedem Frühjahr stellen sich viele Anleger auch jetzt wieder die Frage: Sollen sie der alten Börsenregel "Sell in May and go away" folgen und Gewinne mitnehmen? Andreas Gilgen, leitender Portfoliomanager bei der Bank Alpinum, rät davon ab. "Von pauschalen Börsenregeln nehmen wir Abstand", sagt er. Aus gutem Grund: Wer vergangenes Jahr im Mai seine Aktien abgestoßen hat, verlor bis zu zwanzig Prozent. "Timing von Kauf und Verkauf sind enorm schwierig, vor allem in Zeiten, in denen die gesamte Weltwirtschaft durch ein Virus synchronisiert wurde und Zentralbanken ebenso synchronisiert Liquidität in die Märkte leiten", sagt Gilgen. 

Aussichten für Aktienmärkte bleiben rosig
Das vergangene Jahr war keine Ausnahme: Auch im laufenden Jahr sollten Anleger ihre Aktien im Mai besser im Depot belassen, rät Gilgen. Obwohl Aktienindizes wie der MSCI Europe oder der MSCI World seit Jahresbeginn über zehn Prozent im Plus liegen, dürfte die Rally weitergehen, schätzt der Portfoliomanager. "Die Gewinndynamik bei Aktien bleibt hoch und liegt seit Monaten über den Erwartungen", sagt er.

Die Aussichten für Aktien stehen nach Ansicht des Finanzexperten diesjährig besonders gut, da die angestaute Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern in den kommenden Monaten auf ein durch Lieferengpässe reduziertes Angebot treffen wird. Das sollte Unternehmen mehr Spielraum geben, Preiserhöhungen durchzusetzen. Außerdem kommen in der jetzigen Krise zahlreiche Förderprogramme der Realwirtschaft zugute. "Von diesen Programmen profitieren Unternehmen und Arbeitnehmer", sagt Gilden. "Dies stärkt die direkte Kaufkraft und schlussendlich die Gewinne von Unternehmen." (fp)