Zyklische Aktien und Substanzwerte haben zuletzt deutlich besser abgeschnitten als Wachstums- und defensive Titel. "Der gemeinsame Faktor ist das Reflationsthema, angetrieben durch die Einführung von Impfstoffen und eine deutliche Aufwärtskorrektur der US-Wachstumsaussichten", sagt Florence Barjou, Investment-Chefin von Lyxor Asset Management (Lyxor AM). In der Folge ist die Renditekurve vieler Anleihen steiler geworden. Diese Entwicklung wecke Erinnerungen an das "Taper Tantrum" von 2013, sagt die Anlageexpertin – und es erklärt, warum die Schwellenmärkte den Industriestaaten seit einiger Zeit deutlich hinterherhinken.

Steigende Zinsen in den USA sind für Schwellenländer pures Gift. Das liegt vor allem daran, dass zahlreiche Emerging Markets in US-Dollar verschuldet sind. Wie stark negativ sie die Versteilerung der Renditekurve trifft, hängt nun in erster Linie vom Grund des Renditeanstiegs ab, sagt Barjou: "Die Schwellenmärkte sollten widerstandsfähig bleiben, solange höhere langfristige Zinsen ein beschleunigtes Wachstum widerspiegeln." Umgekehrt wäre es ein zusätzliches Risiko für Schwellenländeranlagen, wenn die Renditen wegen Unsicherheit über die künftige Richtung der Geldpolitik in die Höhe schießen.

Zinsrisiko steigt zur Unzeit
Die Notenbanken vieler Schwellenländer haben kaum Spielraum, um die Auswirkungen der US-Geldpolitik abzufedern. Auch für die Fiskalpolitik in Emerging Markets sieht die Lyxor-Expertin derzeit wenig Handlungsmöglichkeiten. Sie verweist darauf, dass etwa China sich verstärkt auf die Liquiditätskontrolle fokussiert. "Damit soll ein besorgniserregender Anstieg der Inlandsverschuldung eingedämmt werden", erklärt sie. Die Emerging Markets sind ohnehin in einer schwierigen Situation: Es mangelt vielerorts an Impfstoffen, und die Gesundheitsversorgung hat sich durch Corona weiter verschlechtert. Nun belastet die Aufwärtsbewegung der Anleiherenditen die aufstrebenden Volkswirtschaften zusätzlich. (fp)