Das FBI hat die Ermittlungen in der Affäre um Hillary Clintons E-Mails wieder aufgenommen. Trotzdem ist es sehr wahrscheinlich, dass die Demokratin bei der US-Präsidentschaftswahl in der kommenden Woche das Rennen macht, sagt Christoph Bruns, Fondsmanager und Mitinhaber der Investmentboutique Loys. Grund: Donald Trump hat es sich mit weiblichen Wählern und Minderheiten dermaßen verscherzt, dass er kaum noch realistische Chancen auf den Wahlsieg hat.

Trumps vulgäre und respektlose Äußerungen über Frauen haben dem republikanischen Kandidaten zuletzt arg zugesetzt. Parteifreunde distanzierten sich, nachdem sich Trump unfähig zu einer aufrichtigen Entschuldigung gezeigt hatte. "Trumps größte Stärke ist zugleich seine größte Schwäche: Sein loses Mundwerk führt dazu, dass er sich um Kopf und Kragen redet", sagt Bruns. "Die vielen Personalwechsel innerhalb seiner Wahlkampfmannschaft indizieren obendrein, dass dieser Kandidat völlig beratungsresistent ist. Insofern ist Trump auf dem besten Wege, sich selbst zu besiegen."

Wirtschaftsprobleme verschwinden nach der Wahl nicht
Der Loys-Manager ist überzeugt: Clinton wird gewinnen, weil Trump für öffentliche Ämter völlig ungeeignet ist. "Sie ist zweifelsohne auch die Kandidatin der Wall Street", sagt er. Gewinnt sie, können Anleger mit einer Jahresendrally am US-Aktienmarkt rechnen. "Freilich bleiben die politischen und wirtschaftlichen Probleme des Landes immens", räumt Bruns ein.

Ob Clinton fundamentale Reformen anpacken wird, ist zweifelhaft. "Dafür fehlt es ihr an Esprit", so Bruns. Ebenso fraglich ist, ob die Republikaner unter Clinton konstruktiver agieren werden als in den acht Jahren unter Barack Obama. Dennoch: Eine Präsidentin Clinton wäre für die Wall Street das deutlich günstigere Szenario als ein Präsident Trump. (fp)