Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorüber, die Weltwirtschaft nicht über den Berg – aber die globalen Finanzmärkte ficht das nicht an. "Man könnte sagen, es handelt sich um Teflon-Börsen, denn negative Meldungen perlen weitgehend folgenlos an ihnen ab", sagt Christoph Bruns, Fondsmanager und Vorstand der Investmentboutique Loys. Das ist nicht erst seit gestern so. Schon die Griechenland-Rettung, die Flüchtlingskrise und die Trump-Präsidentschaft führten nur kurzzeitig zu Kursrückgängen an den Aktienmärkten.

Geht es um die Frage, wer die Anti-Haft-Beschichtung aufgetragen hat, landet man schnell bei den Zentralbanken, sagt Bruns. "Man wird nicht umhinkommen, den Notenbanken eine zentrale Rolle bei dieser Börsenentwicklung zuzuschreiben." Aktienanleger profitieren von der ultralockeren Geldpolitik besonders stark – nicht nur, weil Nullzinsen Anleihen unattraktiv machen, sondern auch, weil Unternehmen dadurch bessere Finanzergebnisse aufweisen und künftige Gewinne einen höheren Zeitwert haben.

Krude Moralvorstellungen?
Bruns bedauert, dass die Deutschen von den Teflon-Börsen bisher nicht im selben Ausmaß profitieren konnten wie die Bürger mancher anderer Länder. "Aktienanlagen besitzen in Deutschland nach wie vor nicht die Bedeutung, die man angesichts der Größe der hiesigen Volkswirtschaft erwarten dürfte", sagt er. "Die Bildung in Kapitalmarktfragen ist gering. Hinzu kommt, dass verworrene Ansichten über die Moralität der Gewinnerzielung einen klaren ökonomischen Blick verhindern." Der Loys-Manager rät allen, die bisher nicht in Aktien investiert sind, dringend zu einem Investment in Aktienfonds. (fp)