Wer hätte je gedacht, dass der Brexit zumindest in Sachen CO2-Ausstoß mal zu etwas gut ist? So übel wie in Großbritannien, wo es wegen Lieferengpässen seit Wochen zu beängstigend handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen betankungsbedürftigen Autofahrern kommt, ist es andernorts zwar noch nicht. Dennoch bekommen auch Festlandeuropäer derzeit Quittungen präsentiert, die bestenfalls dem lokalen Heizöllieferanten gefallen dürften.

Die seit Monaten ansteigenden Preise für Erdgas, Kohle, Strom und Öl sorgen für Beunruhigung an den Kapitalmärkten. Für die Teuerung zahlt nicht nur Otto Normalverbraucher mit einem kräftigen Kaufkraftverlust. Auch Besitzer von Anleihen haben das Nachsehen. Angesichts der steigenden Inflation verlieren bereits ausgegebene Rentenpapiere nämlich an Wert, weil Clevere auf noch zu emittierende Papiere mit dann vielleicht höheren Coupons hoffen. "Daher ist es richtig, daran zu erinnern, dass Sachwerte  – und zwar vor allem dynamische Sachwerte – sprich: Aktien – der klügste Weg zum realen Vermögenserhalt sind", schreiben die beiden Fondsmanager Christoph Bruns und Ufuk Boydak vom Vermögensverwalter Loys in einem aktuellen Marktkommentar. 

Wer sich nach Ansicht der beiden Manager aktuell freuen dürfte, ist die Politik. Denn hohe Preise für herkömmliche Energieträger bedeuten im Umkehrschluss eine wettbewerbsfähigere Position für die ach so segensreiche alternative Stromerzeugung. Für die Politik wäre es ein Leichtes, die jetzige Belastung für Bürger zu senken, argumentieren Bruns und Boydak. Die Entscheidungsträger müssten lediglich die zum Teil beträchtlichen Energiesteuern verringern. "Dadurch würde jedoch die eigene Energiewendepolitik ad absurdum geführt", begründen die beiden Experten das Ausbleiben entsprechender Maßnahmen. Es bleibe abzuwarten, wie sich die Energiepolitik künftig entwickeln wird. (fp/ps)