Für die Wirtschaft geht es seit einiger Zeit stetig aufwärts. Doch Anleger fürchten ein Ende des aktuellen Wachstumszyklus. Die Sorge ist ihnen nicht zu verdenken: Hohe Inflationszahlen, Lohnerhöhungen, Lieferkettenprobleme und die mögliche Rückkehr zu einer restriktiveren Geldpolitik bringen so manchen Marktteilnehmer aus der Ruhe. Doch diese Sorgen hält Florian Ielpo, Leiter des Bereichs Makroökonomie beim Vermögensverwalter Lombard Odier Investment Managers (LOIM), für übertrieben. 

Ein Rückgang der Konjunktur ist laut dem Experten unwahrscheinlich: "Solange die Realzinsen deutlich unter dem Wirtschaftswachstum liegen, besteht die Chance, dass die derzeitige Expansion anhält: Es wären viel höhere Zinsen nötig, um eine Rezession auszulösen." Kurze Rezessionen, wie der Schock nach dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie, würden aus historischer Sicht zu unterschiedlich langen Expansionen führen. Die Annahme vieler Marktteilnehmer, dass kurze Expansionen kurzen Rezessionen voraus gehen, sei demnach falsch, sagt Ielpo.  

Viel Spielraum nach oben 
"Die Zinssätze können erheblich steigen, bevor der Zyklus entgleist", ergänzt Ielpo. Anleger sollten daran denken, dass es derzeit die kurzfristigen Zinsen sind, die steigen. Unternehmen und Haushalte finanzieren ihre Investitionen jedoch nicht mit kurzen, sondern mit langen Zinssätzen. "Die langfristigen Zinsen müssen erst steigen, bevor man sich Sorgen über das Ende des derzeitigen Booms zu machen beginnt", sagt der Marktexperte. (fp)