Die Verlagerung der Schulden vom privaten hin zum öffentlichen Sektor macht die US-Wirtschaft weniger anfällig für höhere Zinsen. "Höhere Zinssätze werden letztlich vor allem das öffentliche Defizit weiter belasten, weil die Zinsaufwendungen für Schulden steigen", sagt Tim Drayson, Head of Economics bei Legal & General Investment Management (LGIM). Der Kongress dürfte auf Zinsänderungen mit hoher Wahrscheinlichkeit nur sehr langsam reagieren – im Gegensatz zum privaten Sektor, der seine Ausgaben angesichts höhere Zinsen wohl deutlich schneller anpassen wird.

Dem Experten zufolge gibt es zwei weitere Faktoren, die die US-Wirtschaft vor negativen Folgen durch steigende Zinsen schützen: Erstens ist der Anteil variabel verzinslicher Hypotheken, sogenannter Adjustable Rate Mortgages (ARM), seit dem Ende des Immobilienbooms stark gesunken. "Derzeit dürften nur noch rund 15 Prozent der ausstehenden Hypothekenschulden variabel verzinslich sein", schätzt Drayson. Stattdessen habe die Mehrheit der Haushalte die Hypotheken auf 30 Jahre festgelegt.

Nach Ansicht des Experten ist folglich das Risiko durch kurzfristige Zinsänderungen gesunken, Immobilienkäufer sind nur bei Abschluss einer neuen Hypothek direkt von höheren Zinsen betroffen. Zweitens ist Drayson zufolge der Großteil der neuen Unternehmensverschuldung auf Anleiheemissionen zurückzuführen. Weil diese Anleihen fast alle festverzinslich sind, unterliegen sie keinen kurzfristigen Zinsänderungen.

Stärkerer Dollar könnte die Märkte durcheinanderwirbeln
All diese Faktoren könnten dazu führen, dass die US-Notenbank ihre Zinsanhebungen deutlicher vorantreiben muss als erwartet – falls die bisherigen Zinsschritte nicht ausreichen, um eine Überhitzung der Wirtschaft zu verhindern. Das würde vor allem Länder außerhalb der USA treffen, über den Umweg einer weiteren Dollar-Aufwertung.

"Ein stärkerer Dollar löst eventuell weitere Marktturbulenzen in den Schwellenländern aus", warnt Drayson. Daneben könnte es auch an Finanzmärkten, die nicht auf eine Normalisierung der Zinssätze vorbereitet sind, zu Verwerfungen kommen. "Sollte sich dieser Schock als ausreichend groß erweisen, hätte er natürlich wiederum negative Auswirkungen auf die US-Realwirtschaft", so der Anlageexperte. (fp)