Der vereinbarte Waffenstillstand im Handelskrieg zwischen den USA und China ist fragil. Ein Tweet von US-Präsident Donald Trump genügt, um den Konflikt wiederaufleben zu lassen, sagt Tim Drayson, Anlageprofi bei Legal and General Investment Management (LGIM). Dennoch blickt er positiv in die Zukunft: Für die kommenden Monate rechnet Drayson mit einem zunehmenden Wirtschaftswachstum. Seinen Optimismus stützt der Experte auf mehrere Gründe. So hätten sich unter anderem die US-Rezessionsindikatoren in den letzten Monaten verbessert. "Besonders hervorzuheben sind die soliden US-Verbraucherdaten und die niedrige Inflation, die für höhere Realeinkommen sorgt", sagt Drayson.

Der Wohlstand nimmt zu, Kredite sind leichter zugänglich. Auch das Verbrauchervertrauen sei nach wie vor sehr hoch und stehe "im Einklang mit einem anhaltend robusten Wachstum der Konsumausgaben", sagt der Anlageprofi. Diese würden aktuell mehr als zwei Drittel der US-Wirtschaft ausmachen. "Die Produktionsindustrie dagegen macht nur acht Prozent der Beschäftigungsrate aus", sagt Drayson. Sofern das Wachstum dort nicht stark nachlässt, hält er eine Rezession für unwahrscheinlich.

Fed mildert externe Schocks
Niedrige Hypothekenzinsen dürften auch den Wohnungsmarkt stützen. Zwar haben Investitionen in den Wohnungsbau das Wachstum in den vergangenen Quartalen geschmälert, in der zweiten Jahreshälfte könnten sie sich jedoch positiv entwickeln. "Sollte es nicht zu einer Eskalation im Handelskrieg kommen, dürfte das Gesamtwachstum positiv ausfallen, selbst wenn die Unternehmensinvestitionen stagnieren", sagt Drayson.

Insgesamt geht der Experte davon aus, dass der Zyklus weiter anhalten und das Wirtschaftswachstum bis weit ins Jahr 2020 zunehmen wird. "Die Hauptrisiken ergeben sich aus politischen Fehlern, die hinsichtlich des Handelskriegs und der Fiskalpolitik entstehen können", sagt Drayson. Selbst wenn es zu Schocks kommt, dürften diese vergleichsweise mild ausfallen. Denn die US-Notenbank Fed sei bereit, auf wirtschaftliche Schwäche entsprechend zu reagieren, sagt der Anlageprofi. (fp)