Anleger stehen vor vielen Unsicherheiten. In den kommenden Monaten dürfte die Situation an den Märkten nicht einfach werden, prognostiziert Emiel van den Heiligenberg, Leiter der Asset Allocation bei Legal & General Investment Management (LGIM). Einer der wichtigsten Einflussfaktoren ist die Inflation, denn sie ist maßgeblich für die Geldpolitik der Zentralbanken. Der Finanzprofi spricht von einer ungewöhnlichen Kombination: "Es wird ein Ansteigen der Inflation erwartet, während wir gleichzeitig unter einem offensichtlichen Arbeitskräftemangel leiden. Diese angespannte Situation könnte die Zentralbanken verunsichern."

Zwar geht der LGIM-Experte davon aus, dass die Inflation bald ihren Höchststand erreicht, vor allem in Europa. Weitere Preissteigerungen schließt er allerdings nicht aus. Die Zentralbanken ringen derzeit noch um das richtige Straffungstempo. Dadurch steige die Gefahr geldpolitischer Fehler. Auch das Wirtschaftswachstum ist ein Risikofaktor für die Märkte: Van den Heiligenberg geht zwar im kommenden Jahr von einem überdurchschnittlichen Wachstum aus, wenn sich die Wirtschaft weiter von der Pandemie erholt. Er hält aber das Risiko, dass der Konjunkturzyklus schon weiter fortgeschritten sein könnte, für unterschätzt. 

Droht China ein Kredit-Schock?
Wie sich Chinas Null-Toleranz-Politik gegenüber dem Coronavirus auf die Wirtschaft auswirken könnte, bleibt ebenfalls spannend. "Aus unserer Sicht sind Anleger überdies zu optimistisch", betont van den Heiligenberg. Insgesamt habe die Unsicherheit im Reich der Mitte zugenommen. Die Krise im Immobiliensektor oder neue Viruswellen könnten einen Kreditschock auslösen, warnt der Experte. 

Nicht zuletzt dürften auch politische Faktoren in der kommenden Zeit wieder eine wichtigere Rolle für die Aktienmärkte spielen, etwa die Präsidentschaftswahlen in Frankreich, Ungarn und Polen im kommenden Jahr sowie die Wahl in Italien im Jahr 2023. Die Zwischenwahlen im US-Kongress dürften ausschlaggebend dafür sein, ob es zu weiteren Konjunkturpaketen kommt. (fp)