Jüngst hat die Europäische Zentralbank (EZB) bekanntgegeben, die Leitzinsen in der Eurozone frühestens im Jahr 2020 anzuheben. Auch die japanische und die chinesische Zentralbank fahren derzeit einen moderaten Kurs. Kurzfristig mag das für die Märkte ein Glücksfall sein, sagt Olivier de Berranger, Chefanlagestratege bei La Financière de L‘Echiquier (LFDE). Auf längere Sicht ist die Lage jedoch weniger klar, wie das Beispiel der Federal Reserve zeigt. "Trotz der neuen moderaten Äußerungen der Fed schlossen die Aktienmärkte die Woche deutlich im Minus", sagt der Anlageexperte.

De Berranger sieht zwei Gründe für diese Entwicklung: Zum einen ist die politische Lage weiterhin angespannt. Der Brexit sowie die jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump zum Handelskonflikt machen es für Investoren schwierig, die weitere Entwicklung abzusehen. "Der andere Grund – und schließlich auch der bedeutendere – ist die Gesamtwirtschaft", sagt der Asset Manager. Sämtliche vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für März waren in den USA, in Japan und auch in der Eurozone eine herbe Enttäuschung.

Rückfall ist beunruhigend
In Deutschland stürzte der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe zuletzt auf 44,7 und markierte damit nur unwesentlich über dem historischen Tiefststand im Jahr 2012. "Dieser neuerliche Rückfall ist beunruhigend, hatte man sich doch zumindest eine Stabilisierung erhofft", sagt der Anlageprofi. Er sieht in den enttäuschenden Zahlen einen der Hauptgründe für den "taubenhaften" Schwenk der Zentralbanken. Ob die Notenbanken damit die Märkte nachhaltig beruhigen können, wagt der Anlageprofi allerdings zu bezweifeln. (fp)