Im vergangenen Jahr mussten Anleger, die in Schuldtitel aus Schwellenländern investiert waren, hohe Schwankungen aushalten. Immerhin schlossen alle Marktsegmente das Jahr mit einem Plus ab. Die kommenden Monate könnten für Schwellenländer-Bonds noch deutlich besser werden, schätzt Denise Simon, Co-Leiterin des Bereichs Emerging-Markets-Anleihen bei Lazard Asset Management (Lazard AM). "Ein günstiges makroökonomisches Umfeld, solide Fundamentaldaten und attraktive Bewertungen – all das spricht für eine anhaltende Rally", erklärt sie.

Die Wirtschaft in den Schwellenländern sei nicht nur zu Beginn der Corona-Krise weniger stark eingebrochen als die Konjunktur in den Industriestaaten. Sie erhole sich nun auch schneller, berichtet Simon. So lägen etwa die Einkaufsmanagerindizes des verarbeitenden Gewerbes in Ländern wie China, Indien und Brasilien auf Mehrjahreshochs. Durch die besseren Wachstumsperspektiven haben sich auch die Staatsbilanzen vieler aufstrebender Länder stabilisiert. Die Zentralbanken können ihre lockere Geldpolitik vorerst beibehalten, der Zugang zu günstigem Kapital hat sich verbessert. "Mit wenigen Ausnahmen sehen wir kein wesentliches Risiko für staatliche Bonitätsvorfälle im Jahr 2021", sagt die Lazard-AM-Expertin.

Risikoaufschläge könnten bald sinken
Das größte Renditepotenzial sieht Simon bei hochverzinslichen Staatsanleihen und Lokalwährungsbonds. Bei Ersteren liegen die Risikoaufschläge mehr als 600 Basispunkte, also satte sechs Prozent, über US-Staatsanleihen. "Im historischen Vergleich ist das sehr hoch", sagt Simon. "Wir sehen Spielraum für eine Einengung der High-Yield-Spreads um etwa 50 bis 100 Basispunkte gegenüber dem aktuellen Niveau." Fallende Risikoaufschläge gehen am Rentenmarkt in der Regel mit steigenden Kursen einher.

Bei Lokalwährungsanleihen rechnet die Anlagespezialistin im laufenden Jahr mit einer Erholung, wobei auch dort hochverzinsliche Papiere ihrer Einschätzung nach besonders gut abschneiden dürften. "Wir glauben, dass endlich die Voraussetzungen für eine nachhaltige relative Outperformance von Lokalwährungsanleihen gegeben sind", sagt sie – und erklärt: "Die fehlende Komponente für eine anhaltende Rally war das Wachstum." Die technischen Daten bleiben ebenfalls positiv, denn Rentenanleger auf der Suche nach Rendite dürften weiterhin in erheblichem Umfang in den Schwellenländern investieren. (fp)