Aus Sicht des ehemaligen EZB-Direktoriumsmitglieds Jörg Asmussen muss die EZB unter ihrer neuen Präsidentin Christine Lagarde mehr als bisher auf Deutschland zugehen, um eine weitere Abkühlung ihrer Beziehung zum wirtschaftlich größten Mitglied des Euroraums zu verhindern. "Es gibt eine Entfremdung zwischen Deutschland und der EZB, und ich sehe das mit Sorge", zitiert Bloomberg Asmussen aus einem Interview. Weiter heißt es darin: "Isabel Schnabel und die EZB werden dem entgegenwirken und Christine Lagarde die Kommunikation mit der Öffentlichkeit suchen müssen." Am Mittwoch vergangener Woche (23. Oktober) war Isabel Schnabel als designierte deutsche Kollegin im EZB-Direktorium nominiert worden. Sie wird einen Posten einnehmen, den Asmussen zwei Jahre lang bis Anfang 2014 innehatte.

Isabel Schnabel ist gute Wahl
Insbesondere Schnabel müsse sich auf das deutsche Publikum konzentrieren, sagte Asmussen. Er begrüßte die Entscheidung der Bundesregierung, die Wirtschafts- und Finanzprofessorin zu nominieren. "Sie ist eine gute Wahl, weil sie öffentlich gegenüber der EZB neutral aufgetreten ist", sagte er. "Die Ernennung von Isabel Schnabel ist ein Zeichen aus Berlin, dass es eine Bereitschaft gibt, konstruktiver zu sein."

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann war im September auf der Verliererseite eines Streits über die Wiederaufnahme der quantitativen Lockerung, der sich zu einer beispiellosen Revolte von Abweichlern auswuchs, zu der auch Schnabels deutsche Vorgängerin Sabine Lautenschläger gehörte. Die schwelende Spaltung im EZB-Rat sei "nicht gesund und muss dringend behoben werden", sagte Asmussen laut Bloomberg. (fp)