Während die Spekulationen über die Zukunft von EZB-Präsidentin Christine Lagarde zunehmen, ist aus informierten Kreisen zu hören, dass Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sich in der kommenden Woche mit Vertretern der Bundesbank treffen wird. Das offizielle Abendessen mit den Währungshütern am Dienstag (8.9.) geht der EZB-Zinsentscheidung am Donnerstag (10.9.) voraus.

Einmal im Jahr legt die EZB die Kreditkosten außerhalb ihres Frankfurter Sitzes fest und rotiert dabei zwischen den Ländern des Euroraums. Nächste Woche findet die Ratssitzung in Berlin statt. Es wird erwartet, dass die EZB die Zinsen um einen Viertelprozentpunkt auf 2,5 Prozent anhebt.

Sprecher der EZB und von Merz lehnten gegenüber "Bloomberg News" eine Stellungnahme ab. Die Bundesbank war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Nagel als möglicher Nachfolger
Merz wird bei dem Treffen die Gelegenheit haben, über die sich verbessernden Aussichten für Europas größte Volkswirtschaft zu sprechen. Zugleich herrscht Ungewissheit darüber, ob Deutschland einen Kandidaten für die Nachfolge Lagardes an der Spitze der EZB vorschlagen wird.

Lagarde hat angedeutet, dass sie ihre bis Oktober 2027 laufende Amtszeit nicht vollenden wird. Das Weltwirtschaftsforum umwirbt sie für den Posten als seine nächste Vorsitzende. Die Bundesregierung erwägt unterdessen, Bundesbankpräsident Joachim Nagel als ihren Nachfolger zu nominieren. Unterstützt wird er von seinem SPD-Parteikollegen und Finanzminister Lars Klingbeil.

Noch nie ein Deutscher an der EZB-Spitze
Seit der Gründung der EZB vor mehr als einem Vierteljahrhundert hat Deutschland den Posten noch nie besetzt und könnte es auch diesmal schwer haben, da bereits zwei Deutsche europäische Spitzenposten innehaben. Ursula von der Leyen führt die Europäische Kommission bis Ende 2029, während die Amtszeit von Claudia Buch als Chefin der Bankenaufsicht der EZB bis 2028 läuft.

In einem am Mittwoch (2.9.) veröffentlichten Interview mit "Le Monde" signalisierte Nagel erneut Interesse an dem EZB-Posten. Er wiederholte, dass der gesamte EZB-Rat "hoch qualifiziert" sei und es auch starke externe Kandidaten gebe. "Letztlich wird darüber im politischen Raum entschieden." (mb/Bloomberg)