Investoren verbringen viel Zeit damit, die Kursbewegungen des US-Dollars zu studieren. Kein Wunder, hat sein Wert doch große Auswirkungen auf die meisten Finanzmärkte. Wer wissen will, wohin die Reise geht, sollte einen Blick auf die Fundamentaldaten werfen. "Der erste Indikator, auf den wir uns gerne stützen, ist die langfristige Bewertung, gemessen am realen effektiven Wechselkurs", sagt Gilles Seurat, Portfoliomanager bei La Française Asset Management.

Der Blick darauf zeigt, ob eine Währung im Vergleich zur Inflationsdynamik günstig ist. Zwar hat der US-Dollar bereits nachgegeben, er liegt aber immer noch über seinem langfristigen Durchschnitt. Als Folge dürften Investoren versucht sein, in Länder mit günstigerem Wechselkurs zu investieren. "Zum Beispiel könnten US-Anleger in Europa oder Japan diversifizieren wollen. Dies wird ein negativer Faktor für den US-Dollar sein", ist sich Seurat sicher.

Ausbleiben von Zöllen bremst US-Dollar
Ein weiterer wichtiger Treiber ist dem Experten zufolge der Realzins, also die Vergütung über Inflation, die Anleger für Positionen in Staatsanleihen erhalten. In den USA ist dieser Zins für ein Wertpapier mit zehnjähriger Laufzeit von rund einem Prozent Anfang 2019 auf -1 Prozent am 22. Januar 2020 gesunken. "Historisch gesehen hat sich der US-Dollar im Einklang mit diesem Realzins bewegt", berichtet Seurat. Er hält es für unwahrscheinlich, dass der Realzins in den USA auf absehbare Zeit steigt, was den US-Dollar ebenfalls ausbremsen dürfte.

Nicht zuletzt könnte auch die Politik eine Rolle spielen. Während der ehemalige US-Präsident Donald Trump Zölle befürwortete, wird der amtierende Präsident Biden wahrscheinlich davon absehen. In den vergangenen Jahren stieg der US-Dollar, wenn die USA Zölle einführten. "Das Ausbleiben von Zöllen ist nicht durchweg nachteilig, aber es fällt ein potenzieller Kurstreiber weg", erklärt der Anlageprofi. (fp)