Im September 2017 war Österreich das erste Land in der Eurozone, das eine 100-jährige Anleihe begab. Die Papiere waren auch danach am Sekundärmarkt extrem beliebt und legten eine Kursverdoppelung hin. Denn in den darauf folgenden Jahren konnte man bei Staatsanleihen sicherer Länder kaum bessere regelmäßige Einnahmen bekommen. Im Gegenteil: die Kupons von Anleihen guter Bonität sanken unaufhörlich weiter in den negativen Bereich. Und die 2,1 Prozent pro Jahr, die "die 100-Jährige" abwirft, schauten da sehr attraktiv aus. Diese Zeiten sind nun vorbei. 

Vergangenen Freitag sank der Kurs dieser Anleihe erstmals unter ihrem nominalen Wert. Ein Kommentator der Nachrichtenagentur Bloomberg bezeichnete diese besonders langlaufende, aber mit tiefem Kupon ausgestattete, Staatsanleihe als "Aushängeschild einer vergangenen Ära". Es handle sich um eine "historische Symbolik".

Die zweite 100-Jährige notiert nur noch bei 50 Prozent
Mit der Anleihe sicherte sich Österreich im Jahr 2017 bis zum Jahr 2117 Zinsen von 2,1 Prozent. Eine weitere 100-jährige Anleihe im Jahr 2020 war sogar nur mit einem Kupon von 0,85 Prozent per annum ausgestattet – der Börsenkurs dieses Bonds ist ebenfalls massiv gefallen, auf momentan nur rund 50 Prozent des Emissionspreises. Anleihenbesitzer, die solche Wertpapiere bis zum Ende halten, bekommen (sofern der Staat in dieser Zeit nicht Pleite geht) jährlich die versprochene Verzinsung sowie am Schluss den Nominalwert.

Langläufer leiden
Langläufer leiden unter steigenden Zinsen besonders stark, weil man bei kürzer laufenden Alternativen mehr verdient. In den vergangenen Wochen sind die Zinsen europäischer Staatsanleihen aus dem jahrelangen Minus-Umfeld ausgebrochen. Noch zu Jahresende 2021 notierten zehnjährige österreichische Anleihen im negativen Bereich. Momentan sind es bereits plus 1,7 Prozent.

"Nun könnte sich der Vorhang über einer Ära schließen, in der Pensionsfonds und Versicherer so gut wie keine andere Wahl hatten, als zu viel Durationsrisiko für zu wenig Entschädigung auf sich zu nehmen", sagte der Bloomberg-Kommentator. (eml)