Experte: Bitcoin ist nicht das neue Gold – und genau darum interessant
Die Frage, ob Bitcoin das bessere oder schlechtere Gold ist, führt nach Meinung von Krypto-Experte Dirk Heß in die Irre. Tatsächlich unterscheide sich die Marktlogik hinter den beiden Assets – mit Folgen für Anleger.
Bitcoin wird häufig als "digitales Gold" bezeichnet. Der Vergleich liegt nahe: Beide Assets werden immerhin mit Knappheit, Unabhängigkeit von staatlichen Währungen und einem möglichen Schutz vor geldpolitischer Entwertung verbunden. Bei der strategischen Asset-Allokation hält Dirk Heß, Geschäftsführer von NXT Assets, diese Analogie jedoch nur für begrenzt hilfreich. "Eine identische Assoziation bedeutet nicht automatisch eine gemeinsame Marktlogik", so der Krypto-Experte.
Schwache und unbeständige Korrelation
Die statistische Beziehung zwischen Bitcoin und Gold sei historisch schwach und stark marktabhängig. Die Korrelation schwanke im Zeitverlauf deutlich. Ein Beispiel: Nach dem "Liberation Day" im April 2025 erholten sich beide Assetklassen von den marktweiten Abverkäufen und gingen anschließend in eine Seitwärtsphase über, erklärt Heß. Bitcoin blieb dabei jedoch deutlich volatiler. Auch die Korrelation drehte in diesem Zeitraum: Am 1. April 2025 lag sie noch bei minus 0,59, bis zum 30. April 2025 stieg sie auf plus 0,30 und kletterte bis Juni auf plus 0,60. Zuletzt fiel die Korrelation im März 2026 mit einem Wert von minus 0,88 auf eines der niedrigsten Niveaus seit 2022.
"Diese Entwicklung verdeutlicht: Bitcoin und Gold reagieren beide auf makroökonomische Rahmenbedingungen – aber nicht zwangsläufig in dieselbe Richtung", so Heß. Die Abweichungen erklären sich seiner Meinung nach nicht nur durch Marktstimmung oder Makrodaten, sondern auch durch die unterschiedlichen Strukturen der beiden Märkte. "Gold verfügt über eine gewisse Angebotselastizität", meint der Krypto-Experte. Förderung, Recycling sowie Lending- und Leasingaktivitäten, insbesondere durch Zentralbanken, können das verfügbare Angebot beeinflussen.
"Bitcoin folgt dagegen einem festen Emissionspfad mit einer maximalen Obergrenze von 21 Millionen Einheiten", sagt Heß. Gleichzeitig werde Bitcoin zunehmend in regulierte, börsengehandelte Anlagevehikel eingebunden. Dadurch verbessere sich der Marktzugang für Investoren, ohne dass Bitcoin jedoch seine Sensitivität gegenüber globaler Liquidität und Risikoappetit verliert.
Unterschiedliche Marktgesetze
Für Investoren stellt sich Heß zufolge nicht die Frage, ob Bitcoin das bessere, schlechtere oder digitale Gold ist. "Relevanter ist, wie beide Anlageklassen in unterschiedlichen Marktszenarien wirken – und welche Rolle sie innerhalb eines diversifizierten Portfolios übernehmen können." Und da bleibe Gold der klassische sichere Hafen in Stressphasen. Bitcoin sei dagegen ein knappes, digitales Asset mit eigenständiger Marktlogik und höherer Sensitivität gegenüber Liquidität und Risikoappetit. (jh)















