Kosten- und Gebühren sind seit einiger Zeit das "Trendthema" schlechthin bei den europäischen Finanzaufsichten. Daran lässt nun auch die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) keinen Zweifel. Sie hat eine koordinierte Prüfmaßnahme angestoßen, im Rahmen derer die einzelnen nationalen Aufsichten kontrollieren, ob sich die Finanzunternehmen an die in der MiFID II-Richtlinie vorgegebene Transparenz zu Kosten und Gebühren halten.

Die österreichische Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA nimmt an der Maßnahme teil, wie es in einer Mitteilung heißt. Sie kontrolliert die Kosten- und Gebührentransparenz im Rahmen der allgemeinen geplanten Vor-Ort-Prüfungen. Es werden sowohl Banken als auch Wertpapierfirmen unter die Lupe genommen. "Die betroffenen Unternehmen werden individuell vor der Vor-Ort-Prüfmaßnahme davon informiert", heißt es bei der FMA.

Stunde der Wahrheit für "ex-post-Kostenausweis"
Die gesetzlichen Vorgaben, auf die sich die FMA beruft, sind in § 48 WAG 2018 zu finden, wo es um den Kosten- und Gebührenausweis geht (hinter der WAG-Regelung stehen die EU-Vorgaben aus dem Artikel 50 DelVO 565/2017). Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem "ex-post Kostenausweis", wie die FMA mitteilt.

Diesen Ausweis, der sämtliche Produktkosten auflistet, müssen Wertpapierkunden seit rund drei Jahren einmal im Jahr bekommen. Mit dieser Vorgabe wollte die EU Privatkunden einen einheitlichen Transparenzstandard gewährleisten. Der ex-post-Kostenausweis ist jedoch nicht so einfach umzusetzen und schon gar nicht in einheitlicher Form: zum Beispiel ist unklar, welche Datenbasis und welche Stichtage dafür hergenommen werden sollen. In Österreich mühen sich damit die Unternehmen noch immer ab – genau so wie Anbieter in anderen Ländern (FONDS professionell berichtete).

Was sich die ESMA bei den Kontrollen wünscht
Was die nationalen Behörden nun konkret untersuchen sollen, das gibt die ESMA in vier Punkten klar vor: Die Aufsichten sollen prüfen, wie die Firmen sicherstellen, dass die Kosten-Offenlegungen erstens: zeitnah zur Verfügung gestellt werden, dass sie zweitens: fair, klar und nicht irreführend sind, dass sie drittens: auf genauen Daten basieren, die alle expliziten und impliziten Kosten und Gebühren widerspiegeln und dass sie viertens Anreize angemessen offenlegen.

Auch im Versicherungsbereich hat die Eipoa als zuständige Aufsicht bereits die Kosten in den Vordergrund gerückt (FONDS professionell berichtete). Zum Beispiel wurde der Begriff "Value for Money" eingeführt, der Anbieter dazu verpflichten soll, dass ein Produkt von vorn herein so gestaltet ist, dass für Kunden ein Wert entsteht (und nicht, dass die Kosten so hoch sind, dass eine Rendite eher unwahrscheinlich ist).

Hohe Prüfquote bei WPF und WPDLU
Wertpapierfirmen (WPF) und Wertpapierdienstleistungsunternehmen (WPDLU) stehen übrigens traditionell stark im Fokus von FMA-Vor-Ort-Prüfungen: Im Jahr 2020 (letzte verfügbare Zahlen) kontrollierte die Behörde auf diesem Weg 35 der 126 konzessionierten Wertpapierdienstleister (knapp 28 Prozent). Auch bei den einzelnen vertraglich gebundenen Vermittlern (vgV) und den Wertpapiervermittlern (WPV) hat die FMA im Jahr 2020 angeklopft: Insgesamt gab es 15 Einsichtnahmen. Die FMA kann seit 2018 erstmals direkt bei vgVs oder WPVs nach dem Rechten sehen. (eml)


Link zur Information über die diesjährige "common supervisory action" (CSA, gemeinsame Aufsichtsmaßnahme) der ESMA.