Konsum statt KI: Goldman Sachs entdeckt Value neu
Nach der KI-Rally suchen Wall-Street-Strategen nach neuen Treibern für US-Aktien. Goldman Sachs setzt dabei auf Konsumtitel, die von steigenden Ausgaben der Mittelschicht profitieren – vor allem im Value-Segment.
Strategen an der Wall Street halten Ausschau nach neuen Antriebskräften für den Bullenmarkt bei US-Aktien, da sich Sorgen über eine Abschwächung des Geschäfts mit künstlicher Intelligenz (KI) mehren.
Ein Team von Goldman Sachs um Ben Snider setzt dabei auf Unternehmen, die von steigenden Ausgaben der Mittelschicht profitieren. Sniders Team favorisiert Gesundheitsdienstleister, Materialhersteller und Produzenten von Gütern des täglichen Bedarfs. Besonders optimistisch sind die Strategen jedoch bei Unternehmen, die Produkte verkaufen, die eher "nice to have" als "need to have" sind.
Fokus auf Konsumtitel mit dünnen Margen
Zu dieser Gruppe zählen Einzelhändler für gehobene Kleidung und Accessoires, Hersteller von Haushaltswaren, Reiseveranstalter und Casinos. Goldman Sachs argumentiert, dass sich die US-Wirtschaft beschleunigen dürfte – was die Gewinne von Unternehmen mit stabilem Wachstum und niedrigen Margen stützt. Diese Gruppe hat seit Oktober überdurchschnittlich abgeschnitten.
"Aktien mit Bezug zu den Ausgaben von Verbrauchern mit mittleren Einkommen sind besonders attraktiv", schrieb Sniders Team in einer am 6. Januar veröffentlichten Analyse. "Value dürfte Anfang 2026 weiter besser abschneiden. Verbraucher mit mittleren Einkommen werden ein beschleunigtes reales Einkommenswachstum erleben, was sich in einem stärkeren Umsatzwachstum niederschlagen sollte."
Einzelhandelsindex legt zu
Der S&P Retail Select Industry Index, der die Kursentwicklung ausgewählter Einzelhandelsunternehmen abbildet, ist seit Jahresbeginn um 3,5 Prozent gestiegen und seit Anfang November – dem Beginn der wichtigen Weihnachtssaison – um 8,8 Prozent.
Die Goldman-Strategen erwarten Rückenwind für die Verbraucher durch nachlassende Belastungen infolge der Zölle von US-Präsident Donald Trump, einen sich stabilisierenden Arbeitsmarkt sowie Steuerrückzahlungen aus dem großen Gesetzespaket der Regierung im vergangenen Jahr.
Abkehr vom KI-Fokus
Die Einschätzung fällt in eine Phase, in der Investoren nach Alternativen zum KI-Thema suchen, das die Märkte in den vergangenen drei Jahren angetrieben hat – angeführt von den "Magnificent Seven" unter den Technologiewerten.
Von der Nachrichtenagentur "Bloomberg" befragte Ökonomen erwarten für dieses Jahr ein Wachstum der US-Wirtschaft von 2,1 Prozent, getragen unter anderem vom Konsum. Das hat Anleger verstärkt in Aktien gelenkt, die in den vergangenen Jahren hinterhergehinkt hatten.
Breitere Rally statt Konzentration
"Es gibt eine Neubewertung des Wirtschaftswachstums nach oben", sagte Charlie McElligott, Cross-Asset-Makrostratege bei Nomura Securities International. Das spreche für traditionellere Value-Sektoren. "Im vergangenen Jahr gab es eine massive Streuung, bei der zwölf Titel den Großteil der Arbeit erledigt haben", sagte McElligott in einem Interview. "Jetzt sehen wir eine breitere Aufstellung der Rally."
Zudem beginne eine Rotation in volatilere Marktsegmente mit höherem Beta, die oft eng mit der wirtschaftlichen Lage der US-Verbraucher verbunden seien.
Value rückt wieder in den Fokus
Zwar haben stationäre Einzelhändler im Wettbewerb mit E-Commerce-Giganten wie Amazon lange Zeit Schwierigkeiten gehabt. Angesichts der sehr hohen Bewertungen der größten Technologie- und KI-getriebenen Unternehmen richten Investoren ihren Blick jedoch zunehmend auf andere Chancen.
Zumindest zu Beginn des Jahres 2026 scheinen diese vor allem im Value-Segment zu liegen. "Wachstumstitel sind deutlich teurer", sagte McElligott. (mb/Bloomberg)




Vortrag am FONDS professionell KONGRESS












