An leere Supermarktregale beim Klopapier haben sich die Deutschen in Zeiten der Corona-Pandemie bereits gewöhnt. Doch dass sie selbst beim Goldhändler zunehmend leer ausgehen, dürfte vielen neu sein. Im Online-Shop des Händlers Degussa kann man derzeit weder einen ein Gramm leichten noch einen 500 Gramm schweren Barren des Edelmetalls erwerben, berichtet der Berliner "Tagesspiegel". Einzig Goldbarren mit einem Gewicht von einem Kilogramm waren am Sonntag (22. März) noch zu haben – für den stolzen Preis von 50.000 Euro.

Degussa erklärt den Engpass mit der ungewöhnlich hohen Nachfrage nach Gold. "Derzeit haben wir eine große Zahl von Bestellungen", zitiert die Zeitung aus einem Schreiben des Händlers. Man arbeite allerdings mit Hochdruck daran, jeden Auftrag "schnellstmöglich zu bearbeiten".

Nachfrage boomt – Goldpreis fällt
Auch andere Goldhändler hinken der Nachfrage hinterher. Bei Pro Aurum ist zwar theoretisch noch Gold im Lager vorhanden, das Unternehmen kann die bestellte Ware aber derzeit nicht an ihre Kunden ausliefern. Der Wertlogistiker Prosegur, der für Pro Aurum bislang Gold ab einem Wert von 25.000 Euro transportiert hat, fährt bis auf Weiteres keine Privatkunden mehr an. Der Goldhändler hat daher entschieden, seinen Online-Shop von Montag bis Mittwoch zu schließen.

Dass die Händler die Nachfrage nur noch schwer bedienen können, hat nach Beobachtung des "Tagesspiegel" auch mit den Grenzschließungen zu tun. Große Barrenhersteller wie Argor Heraeus sitzen im Tessin, in der Schweiz. Viele ihrer Mitarbeiter kommen aus Italien, pendeln normalerweise über die Grenze. Berichten zufolge sollen manche bereits in Hotels einquartiert worden sein, um die Produktion am Laufen zu halten.

Paradox: Obwohl die Goldnachfrage boomt, ist der Preis des gelben Metalls zuletzt gefallen. Am Freitag lag er fast zehn Prozent tiefer als vor einem Monat. Der Tagesspiegel erklärt den Rückgang damit, dass Gold vor allem vom Weltmarkt und damit stark von der Nachfrage institutioneller Investoren abhängt. Anders als Privatleute hätten sich diese zuletzt aus Gründen der Liquiditätsbeschaffung von Gold getrennt. (fp)