KI in der Finanzwelt: Amundi warnt vor neuen unsichtbaren Risiken
Der Einsatz von KI, alternativen Daten und neuen Technologien verändert die Finanzmärkte grundlegend. Laut Marie Brière vom Amundi Investment Institute entstehen dabei Risiken, die mit klassischen Methoden kaum noch zu erfassen sind.
Viele Risiken im Finanzsystem bleiben auch heute unter dem Radar traditioneller Modelle. Die großen Finanzkrisen hätten gezeigt, dass herkömmliche Tools Risiken oft nicht ausreichend erfassen, sagt Marie Brière, Leiterin Investor Intelligence beim Amundi Investment Institute. Künstliche Intelligenz (KI) und die wachsende Menge alternativer Daten seien aber keine Lösung, so Brière, vielmehr verschärften sie viele Probleme zusätzlich.
Datenflut mit Schattenseiten
Alternative Daten aus Texten, Bildern oder Audiodateien würden immer detailliertere Signale für Investmententscheidungen liefern. "Das scheint zunächst mit Blick auf die Informationseffizienz positiv, kann aber von dem Bemühen um grundlegende Informationen abhalten und langfristige Aussichten wie auch die Wirtschaftlichkeit von Kapitalallokationen untergraben", warnt Brière.
Zudem seien diese Daten anfällig für Fehler. Datenpannen, Manipulationen oder mangelnde Repräsentativität könnten verzerrte Signale erzeugen. Klassische Modellrisiken würden zunehmend durch komplexere "KI-Systemrisiken" ersetzt. Es brauche robuste Verfahren zur Bewertung von Datenqualität und zur Erkennung von Manipulationen, fordert Brière.
Risiken durch KI-Systeme
Generative KI eröffnet laut Brière neue Möglichkeiten in Analyse, Beratung und Handel, bringt aber Unsicherheiten mit sich. Der Einsatz von KI bei der Finanzanalyse, die automatisierte Beratung oder der algorithmische Handel werfen ihrer Meinung nach Fragen hinsichtlich Manipulation oder algorithmischen Kollusionen auf.
"Laborsimulationen beweisen, dass KI-Modelle durch Interaktion stillschweigende Preisabsprachen erzeugen können. Systeme, die autonom miteinander planen, abwägen und Entscheidungen treffen, können Fehler produzieren." So könnten sich Ungenauigkeiten summieren und ein kleines Missverständnis könne sich in dem gesamten System verbreiten. "Das wiederum beeinflusst möglicherweise das Verhalten von Menschen und verändert die Dynamik der Märkte", so Brière.
Geopolitik als zusätzlicher Risikofaktor
In Europa sieht Brière zudem geopolitisch bedenklich hohe Abhängigkeiten von großen Cloud- und KI-Anbietern. "Die Kontrolle über Daten und Rechenkapazitäten wird zu einer strategischen Frage", betont sie. Ausländische Investitionen in kritische Infrastruktur und regulatorische Spannungen könnten zusätzliche Risiken schaffen und die Souveränität Europas beeinträchtigen.
Für Brière steht fest: "Es ist eine gemeinsame Herausforderung, das Unsichtbare sichtbar zu machen, um ein Finanzsystem zu schaffen, das sicherer und auf unkonventionelle Schocks besser vorbereitet ist." (jh)















