Das Versprechen klingt verheißungsvoll: Das Fintech Scorable will künftige Finanzkrisen vorausberechnen – und zwar lange bevor Ratingagenturen oder gängige Wirtschaftsbarometer Alarm schlagen. "Unser Ziel ist es, Signale früher aufzuspüren als der Markt, damit Vermögensverwalter noch früher das Risiko in ihren Depots herunterfahren und so das Geld ihrer Kunden schützen können – beziehungsweise zukaufen können, bevor der Markt anzieht", sagt Oliver Kroll, Produktchef und Mitgründer von Scorable, im Gespräch mit dem Online-Magazin Business Insider.

Gelingen soll das über Signale aus dem Anleihemarkt und mit Hilfe Künstlicher Intelligenz. In der Praxis funktioniert die Anwendung von Scorable als Web-Applikation. Kunden können über das Programm auf ein vorgegebenes Universum von Anleihen zugreifen, die alle mit einer Risikobewertung versehen sind. Für das Rating wertet Scorable sowohl quantitative Informationen wie Unternehmenskennzahlen aus als auch qualitative Faktoren wie Konzernnachrichten aus.

Praxistest steht bevor
Auch Finanzkrisen könne das Programm so vorhersagen, verspricht das Unternehmen. "Wenn sich ein oder mehrere Sektoren stark verschlechtern und daraus eine Systemkrise wie bei der Finanzkrise 2008 entsteht, kann unser Modell die Portfoliomanager frühzeitig darauf hinweisen, damit sie genügend Vorlauf haben, um ihre Depots entsprechend anzupassen", sagt Kroll. Das Unternehmen analysiert den Anleihemarkt seit dem Jahr 2016. In dieser Zeit habe das System in Tests bereits mehrfach rechtzeitig gewarnt. Seit zwei Monaten ist das Fintech nun mit dem Produkt offiziell auf dem Markt. In der Praxis muss es sich aber erst noch beweisen. (fp)