US-Aktien senden laut Alex Altmann, globaler Leiter für taktische Aktienstrategien bei Barclays, ihr stärkstes Kaufsignal seit fast einem Jahr. Er reiht sich damit in eine wachsende Zahl von Stimmen an der Wall Street ein, die davon ausgehen, dass die jüngste Marktschwäche überwunden sein könnte.

Der Equity Timing Indicator von Barclays (BETI) fiel über Nacht auf minus 8,3 und damit auf den niedrigsten Stand seit den von US-Präsident Donald Trump ausgelösten Zollturbulenzen im April des Vorjahres, schrieb Altmann am Dienstag (17.3.) in einer Mitteilung an Kunden. Damit erreichte der Indikator eine Schwelle, die historisch als "hochattraktiver" Einstiegszeitpunkt für Aktien gilt.

Wie BETI funktioniert
Der BETI bündelt 19 Faktoren aus Marktstruktur, Positionierung, Stimmung und makroökonomischen Daten. Ziel ist es, taktische Wendepunkte am Aktienmarkt zu identifizieren. Werte über plus 7 signalisierten historisch schwache zukünftige Renditen, während Werte unter minus 7 mit günstigen Bedingungen für Kursanstiege verbunden waren.

Wenn der Indikator zwischen minus 8 und minus 7 lag, erzielte der S&P 500 seit 2015 im Schnitt eine Rendite von 6,6 Prozent über 42 Tage, mit einer Trefferquote von 92 Prozent, so die Bank. Der Median betrug 5,1 Prozent auf Basis von 38 Beobachtungen.

Verschiedene negative Faktoren
Die jüngste negative Ausprägung des Indikators spiegelt unter anderem eine Abschwächung der Dynamik im S&P 500 wider. Der Rückgang vom Jahreshoch wirkt zwar moderat, fällt jedoch vor dem Hintergrund der zuvor ungewöhnlich niedrigen Volatilität und engen Handelsspanne stärker ins Gewicht.

Zusätzliche Faktoren sind eine deutliche Neubewertung von High-Yield-Spreads – auch wenn das absolute Niveau weiterhin relativ moderat bleibt – sowie ein Einbruch des Equity Euphoria Indicators von Barclays, der einen schnellen Rückgang der positiven Marktstimmung belegt.

Weitere Strategen werden optimistischer
Altmann gehört zu einer wachsenden Zahl von Marktbeobachtern, die mit einer Erholung rechnen. Strategen von Goldman Sachs, Morgan Stanley und JP Morgan verwiesen zuletzt auf Unterstützung durch Gewinnwachstum und Bewertungen, die zwar weiterhin hoch, aber weniger angespannt seien als zuvor.

Bereits Anfang März hatte Scott Rubner von Citadel Securities seine negative Einschätzung für US-Aktien aufgegeben und auf positive Faktoren wie Zuflüsse von Privatanlegern und saisonale Effekte verwiesen.

Erste Anzeichen für Erholung
Der S&P 500 stieg am Dienstag (17.3.) um 0,3 Prozent und liegt in dieser Woche 1,3 Prozent im Plus – die beste Zwei-Tages-Performance seit Beginn des Iran-Kriegs. Investoren nutzen Rücksetzer für Zukäufe, obwohl der Konflikt im Nahen Osten in die dritte Woche geht und Unsicherheiten durch künstliche Intelligenz sowie mögliche Risiken im Private-Credit-Markt bestehen bleiben. (mb/Bloomberg)