Kapitalflüsse 2025: 1,55 Billionen Dollar widerlegen "Sell America"
Trotz "Sell America"-Debatte strömte im Vorjahr mehr ausländisches Kapital in US-Anlagen. Besonders Aktien und Treasuries waren gefragt – während China verkaufte und Europa zukaufte.
Ausländische Käufe von US-Finanzanlagen haben sich 2025 beschleunigt, angeführt von einer starken Nachfrage nach Aktien und Treasuries. Das geht aus am Mittwoch (18.2.) veröffentlichten Daten des US-Finanzministeriums hervor – und stellt eine deutliche Widerlegung des unter Marktteilnehmern verbreiteten "Sell America"-Narrativs dar.
Ausländische Investoren erwarben 2025 netto langfristige US-Finanzanlagen im Umfang von 1,55 Billionen Dollar. Im Vorjahr hatten die Nettozuflüsse noch 1,18 Billionen Dollar betragen. Von der Gesamtsumme entfielen 658,5 Milliarden Dollar auf Aktien und 442,7 Milliarden Dollar auf US-Staatsanleihen mit mittleren und langen Laufzeiten.
Zollrhetorik schürt Sorgen – Kapital fließt dennoch
Die wiederholten Drohungen von US-Präsident Donald Trump mit drastischen Zollerhöhungen – aus wirtschaftlichen, geopolitischen oder sicherheitspolitischen Gründen – hatten Befürchtungen ausgelöst, ausländische Investoren könnten amerikanische Märkte und den Dollar meiden. Im Zuge von Trumps Druck auf Dänemark wegen Grönland warnte ein dänischer Pensionsfonds im vergangenen Monat, er plane, seine Bestände an US-Staatsanleihen zu veräußern. Europas größter Pensionsfonds, der niederländische Stichting Pensioenfonds, reduzierte seine US-Positionen im vergangenen Jahr deutlich.
US-Finanzminister Scott Bessent wies die "Sell America"-Rhetorik jedoch wiederholt zurück und argumentierte, die Wirtschaftspolitik der Regierung stärke die Rolle der USA als bevorzugtes Ziel für globales Kapital. "Ja, es gab zuletzt geopolitische Instabilität, und der 'Sell the Dollar'-Handel war deshalb populär", sagte Andrew Hazlett, Devisenhändler bei Monex. Letztlich machten US-Staatsanleihen jedoch einen großen Teil der globalen Staatsanleihebestände aus. "Ich sehe ehrlich gesagt keine Welt, in der sich das ändert."
Dollar-Schwäche als Kaufanreiz
Die Dollar-Abwertung im vergangenen Jahr könnte einige ausländische Vermögensverwalter sogar ermutigt haben, ihre US-Engagements auszubauen. Geoff Yu, Chef-Makrostratege bei BNY, erklärte Anfang des Monats, dies sei nach den Marktturbulenzen infolge von Trumps "Liberation Day"-Zollankündigung im April geschehen.
"Unsere Daten zeigen, dass grenzüberschreitende Investoren die Anpassung der Dollar-Bewertung voll ausgenutzt haben, um ihre US-Aktienquote zu erhöhen", schrieb Yu in einer Mitteilung vergangene Woche. "Auch wenn die Allokationen nicht mehr so stark sind wie in der Phase des 'US-Exzeptionalismus' von 2023 bis 2024, bleibt die grenzüberschreitende 'Prämie' intakt."
Europa größter Kapitalgeber – China verkauft
Neben Aktien und Staatsanleihen beliefen sich die Nettozukäufe von Unternehmensanleihen auf 327,8 Milliarden Dollar. Wertpapiere von Fannie Mae, Freddie Mac und anderen staatlich unterstützten Emittenten summierten sich auf netto 112,9 Milliarden Dollar. Regional betrachtet entfielen 872,8 Milliarden Dollar der Nettozuflüsse in langfristige – also mehr als ein Jahr laufende – US-Finanzanlagen auf Europa. Von den Cayman Islands kamen netto 277,2 Milliarden Dollar, aus Japan 56 Milliarden Dollar und aus Kanada 84,4 Milliarden Dollar.
Das US-Finanzministerium weist allerdings darauf hin, dass die tatsächliche Herkunft der Investoren schwer eindeutig zu bestimmen sei. Ein erheblicher Teil der Nettozuflüsse stamme aus Finanzzentren wie den Cayman Islands und Guernsey sowie aus Ländern mit bedeutender Verwahrfunktion im globalen Finanzsystem wie Großbritannien und Belgien.
China war hingegen ein bedeutender Nettoverkäufer langfristiger US-Finanzanlagen in Höhe von 208,6 Milliarden Dollar. Die chinesischen Bestände an US-Staatsanleihen beliefen sich zum Jahresende auf 683,5 Milliarden Dollar – der niedrigste Stand seit 2008. Wie Anfang des Monats berichtet, haben Pekings Aufsichtsbehörden Finanzinstitute angewiesen, ihre Bestände an US-Staatsanleihen wegen Konzentrationsrisiken und Marktvolatilität zu begrenzen.
Rückgang im Dezember
Allein im Dezember gingen die ausländischen Bestände an US-Staatsanleihen um 88,4 Milliarden auf 9,27 Billionen Dollar zurück – der niedrigste Stand seit Oktober. Japan, der größte ausländische Gläubiger der USA, reduzierte seine Position um 17,2 Milliarden auf 1,19 Billionen Dollar. Die britischen Bestände sanken um 23 Milliarden auf 866 Milliarden Dollar. (mb/Bloomberg)
















