Kapitalflucht Richtung Europa: Warum Anleger den USA den Rücken kehren
Zollpolitik, Inflationssorgen und politische Risiken verändern laut Euroclear die globalen Kapitalströme. Immer mehr Investoren reduzieren ihr Engagement in den USA – und entdecken Europa neu.
Die von US-Präsident Donald Trump verursachte Marktunsicherheit veranlasst Investoren nach Angaben von Euroclear-Chefin Valerie Urbain zunehmend dazu, Gelder aus den USA abzuziehen und in europäische Anlagen umzuschichten.
"Was die Kunden betrifft – auch aus China, dem Nahen Osten und dem asiatisch-pazifischen Raum – haben wir im Laufe des Jahres 2025 eine zunehmende Diversifizierung der Investitionen weg von den USA beobachtet", sagte Urbain am Mittwoch (4.2.) in einem Interview mit der Nachrichtenagentur "Bloomberg". Es gebe "ein wachsendes Interesse an der Diversifizierung von Anlageportfolios" in europäische Vermögenswerte.
Zollpolitik sorgt für Verunsicherung
Trumps Zollpolitik habe Kosten und Unsicherheit für viele multinationale Unternehmen erhöht und die USA für einige Investoren weniger attraktiv gemacht. Zudem äußerten Anleger Sorgen, ungerechtfertigte Zinssenkungen könnten die Inflation anheizen und den Wert des Dollar untergraben.
Ein Beispiel für diese Entwicklung ist der dänische Pensionsfonds Akademiker-Pension. Nachdem Trump damit gedroht hatte, Grönland zu beschlagnahmen, kündigte der Fonds an, US-Staatsanleihen im Volumen von 100 Millionen Dollar zu verkaufen, und stufte die USA als Kreditrisiko ein.
Euroclear steigert Gewinn und verwahrte Vermögen
Euroclear, eines der weltweit größten Clearingsysteme für internationale Wertpapiere mit Sitz in Brüssel, meldete für 2025 einen Nettogewinn von rund 1,11 Milliarden Euro nach 1,04 Milliarden Euro im Vorjahr. Die verwahrten Vermögenswerte stiegen zum Jahresende auf über 43 Billionen Euro – ein Plus von sieben Prozent, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.
Fokus auf eingefrorene russische Vermögen
Urbains Aussagen folgen auf Bemühungen der EU, auf russische Staatsvermögen zuzugreifen, die bei Euroclear eingefroren sind, um die Ukraine finanziell zu unterstützen. Nach dem russischen Großangriff 2022 froren die G7-Staaten, die EU und Australien rund 280 Milliarden Dollar an Vermögenswerten der russischen Zentralbank ein – der Großteil davon liegt bei Euroclear.
Die aus den eingefrorenen russischen Vermögen erzielten Zinserträge beliefen sich im vergangenen Jahr auf fünf Milliarden Euro, 26 Prozent weniger als im Vorjahr. Euroclear stellte 3,3 Milliarden Euro als Sonderbeitrag zurück, der von Europa zur Unterstützung der Ukraine verwendet werden soll.
"Weckruf" für Europa
Trump sei ein "Weckruf" für Europa und andere gewesen, und sein Amtsantritt habe langjährige Überzeugungen an den Finanzmärkten ins Wanken gebracht. "In meiner Laufbahn sprach niemand davon, den Dollar abzusichern", sagte Urbain. "Heute wird darüber offen gesprochen." (mb/Bloomberg)
















