Covid-19 hat die globale Wirtschaft fest im Griff. Die Krise zwingt die Notenbanken zu einem Balanceakt, urteilt Alastair Irvine, Produktspezialist bei Jupiter Asset Management: Einerseits versuchen sie mit einer wahren Liquiditätsschwemme, die Wirtschaft in Schwung zu halten und eine Deflation zu verhindern. Andererseits darf die Inflation nicht zu hoch steigen, weil sonst die Zinsen anziehen müssten – das würden viele Staaten und Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt wohl nicht verkraften. Darüber hinaus könnte die ultralockere Geldpolitik sogar mehr schaden als nützen.

Die geldpolitischen Maßnahmen führen zu sogenannten Zombie-Ökonomien, erklärt Irvine: "Während die Volkswirtschaften auf alarmierende Weise schrumpfen, schaffen Unternehmen, die künstlich am Leben gehalten werden, und Arbeitsplätze, die andernfalls abgebaut worden wären, einen Kapazitätsüberschuss und ein Produktivitätsdefizit."

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Zombie-Ökonomien leiden von Natur aus unter deflationärem Druck, sagt der Experte. Der kann aber rasch ins Gegenteil umschlagen, wenn sich die Wirtschaft erholt und die Rohstoffpreise und andere Investitionskosten steigen. Auch Helikoptergeld kann eine wichtige Rolle dabei spielen. Regierungen stellen jedem einzelnen Bürger quasi einen Scheck aus mit der Bitte, loszugehen und damit einzukaufen, erklärt Irvine. "Subtilere Möglichkeiten sind unter anderem der Erlass von Studienkrediten oder die Bereitstellung von Programmen für den erstmaligen Hauskauf." Das Ziel ist immer dasselbe: Die Nachfrage anzukurbeln. "Solche Maßnahmen neigen dazu, inflationär zu wirken“, sagt der Jupiter-Spezialist.

Es bleibt abzuwarten, ob der Deflations- oder der Inflationsdruck die Überhand gewinnt. Anleger, die sich auf beide Szenarien vorbereiten wollen, rät Irvine zu einem diversifizierten Portfolio. Gegen das Inflationsszenario können sich Investoren durch Gold und Aktien in ihrem Anlagemix schützen, sagt der Experte. "Das gilt vor allem für Aktien jener Unternehmen, die innovativ sind, in Marketing sowie Forschung und Entwicklung investieren und in der Lage sind, ihre Preise selbst festzusetzen."Von Anleihen und Bargeld sollten sich Anleger dem Experten zufolge jetzt eher fernhalten. (fp)