Die künftige Entwicklung von Märkten vorherzusehen gleicht immer häufiger purer Kaffeesatzleserei, sagt Brad Slingerlend vom Vermögensverwalter Jupiter AM. "Das Einzige, was wir mit Sicherheit wissen, ist, dass wir nicht wissen, was die Zukunft bringen wird", erklärt der Experte. Er findet: Anleger sollten ihre Zeit nicht mit Prognosen verschwenden, sondern auf Unternehmen setzen, die die Zukunft selbst mitgestalten. Zum Beispiel mit Aktien, die dauerhaft von der Digitalisierung profitieren.  

Aktuell herrscht große Unsicherheit am Markt, so Slingerlend. Es gibt globale Konflikte, Lieferkettenengpässe, und wahrscheinlich steigen die Zinsen weiter. Viele Anleger setzen in dieser Situation vor allem auf besonders profitable Unternehmen. Ein Fehler, sagt der Experte: Unternehmen, die in ihr eigenes zukünftiges Wachstum investieren, schaffen im Laufe der Zeit nämlich mehr Wert. Investitionen in Technologieunternehmen steigern seiner Meinung nach auch das Innovationstempo. Das wiederum kann Zinsen und die Inflation senken. "Innovationen waren schon immer ein starker deflationärer Wachstumsmotor", sagt Slingerlend.  

Unruhige Zeiten erfordern Disziplin bei der Titelauswahl 
Für die Gewichtung ihres Portfolios spielt die Zukunft aus Sicht des Jupter-AM-Experten dabei durchaus eine Rolle: In ruhigen Zeiten müssen nur einige wenige Annahmen richtig sein, damit Wachstum und Aktienperformance langfristig stimmen. In Zeiten des Aufruhrs ist das Gegenteil der Fall: "Wenn die Bandbreite möglicher Ergebnisse groß ist und sich ausweitet", erklärt Slingerlend, ist die Gewissheit über das künftige Wachstum geringer. Dann, sagt er, sollte auch die entsprechende Wertpapier-Position kleiner sein. (fp)