JPMorgan Chase & Co. erklärte sich zu einer ersten Investition in Höhe von 3,5 Milliarden Euro bereit, um einer Gruppe der reichsten Fußballvereine Europas beim Aufbau einer Superliga zu helfen. Insgesamt könnte die Finanzierung auf vier Milliarden Euro anschwellen, berichtet die Nachrichtenagentur "Bloomberg" unter Berufung auf Insiderinformationen. Womöglich können Geldgeber später in die Liga investieren.

Sechs Teams aus England und jeweils drei aus Italien und Spanien haben sich bislang angemeldet. Sie würden in der neuen Liga unter der Woche gegeneinander spielen – eine direkte Konkurrenzveranstaltung zur prestigeträchtige Uefa Champions League. Der neue "Wettbewerb der Edelclubs" soll aus 15 permanenten Mitgliedern bestehen plus fünf weiteren Mannschaften, die sich jedes Jahr für die Teilnahme qualifizieren müssten.

Finanzierung läuft 23 Jahre
Die zwölf Vereine haben sich bereits vertraglich verpflichtet, eine gewisse Anzahl von Jahren Teil der "Super League" zu bleiben, heißt es in dem Bericht. Das sei ein wesentlicher Faktor für JPMorgans Zusage gewesen. Die Finanzierung durch die US-Investmentbank wurde zu einem Zinssatz zwischen zwei und drei Prozent festgezurrt und läuft 23 Jahre, so ein Insider. Ein Sprecher von JPMorgan lehnte einen Kommentar ab. Die Europäische Super League reagierte nicht zeitnah auf eine Bitte um Stellungnahme.

Die Aussicht auf die größte Umwälzung des europäischen Profifußballs seit der Gründung der Champions League im Jahr 1955 trieb heute Aktien von Top-Teams wie Juventus Turin und Manchester United nach oben. Die neue Liga würde den Top-Vereinen Spiele gegen sportlich unbedeutendere Mannschaften ersparen. Die dauerhafte Mitgliedschaft würde allerdings gegen das Prinzip im internationalen Fußballs verstoßen, dass sich jeder für die prestigeträchtigsten Turniere qualifizieren kann und muss. Sie erinnert vom Modell her eher an die US-amerikanischen Basketball-, Baseball- oder Football-Bewerbe.

Breite Ablehnung
Die Betreiber der nationalen Ligen in England, Spanien und Italien sowie die Fußballverbände Uefa und Fifa sind erzürnt, verurteilen das Projekt und drohen mit rechtlichen Schritten – bis hin zum Ausschluss der teilnehmenden Vereine aus den heimischen Ligen. Die Uefa drohte auch damit, Spieler, die in der Super League antreten, nicht als Nationalspieler zuzulassen.

In Deutschland lehnten Borussia Dortmund und der FC Bayern München die Pläne ab. Die Deutsche Fußball Liga und der Deutsche Fußball-Bund schrieben in einer Mitteilung, sie nähmen die Gründung "mit großer Erschütterung zur Kenntnis". Sie stünden solidarisch zur Uefa und würden die angekündigten Gegenmaßnahmen von Fifa und Uefa unterstützen. "Es geht um die Zukunft des Volkssports Fußball – und um eine Weichenstellung, wie wir sie noch nicht erlebt haben", so die Verbände in der Mitteilung. "Wir dürfen nicht zulassen, dass die finanziellen Interessen einiger weniger Top-Clubs aus England, Italien und Spanien die Abschaffung bewährter Strukturen bewirken."

Auch in der Politik stößt das Vorhaben auf Ablehnung. Großbritanniens Premierminister Boris Johnson etwa meint, die Pläne für eine europäische Super League wären "sehr schädlich für den Fußball und würden Fans im ganzen Land beunruhigen". (mb)