Leitende Manager aus der Finanzbranche sehen derzeit gute Chancen für Bankenfusionen in Europa: "Eine europäische Bankenkonsolidierung ist unausweichlich, sie ergibt Sinn", sagt JP-Morgan-Europachef Vis Raghavan in einem Interview mit dem "Handelsblatt". "Und da wir jetzt endlich an einem Punkt angelangt sind, an dem sich die europäischen Volkswirtschaften und ihre Banken etwas erholt haben, gibt es eine gute Chance für eine baldige Konsolidierung."

Aus Sicht des Bankenchefs ist und bleibt Größe, wie sie von den potenziellen Fusionspartnern Deutsche Bank und Commerzbank angestrebt wird, ein erfolgsentscheidender Faktor für Finanzinstitute, um rentabel arbeiten zu können: "Im Bankgeschäft steigen die Kosten weiter – für Kapitalbeschaffung, Regulierung, Technologie", sagt Raghavan. "Um erfolgreich zu sein, müssen diese Ressourcen über das größtmögliche Feld an Geschäftslinien verteilt werden."

Digitalisierung nur ein Werkzeug
In dem Interview widersprach der Bankenchef zudem Prognosen, wonach die Branche im Zuge der Digitalisierung künftig deutlich weniger Mitarbeiter braucht: "Was sich ändern wird, sind die Anforderungen an die Angestellten", sagte Raghavan. "Die repetitiven Aufgaben werden automatisiert. Im Gegenzug werden jene wichtiger, die Wert generieren, zum Beispiel die Beratung oder die Handelsstrategie."

Technologie und Digitalisierung seien nur Werkzeuge, um das Leben für Kunden und Bankbeschäftigte gleichermaßen zu erleichtern. "Banking ist und bleibt eine Vertrauensbeziehung zwischen Menschen", sagte Raghavan dem "Handelsblatt". (fp)