Anleger sollten sich von der aktuellen Stärke des US-Dollars nicht blenden lassen, warnt die Investmentgesellschaft J.P. Morgan. Momentan haben die USA beim Konjunkturwachstum gegenüber Europa und Japan klar die Nase vorn, auch, weil die Impulse aus der Steuer- und Arbeitsmarktreform sowie die zusätzlichen Staatsausgaben langsam Wirkung zeigen. Zudem haben geopolitische Risiken dem Dollar im Mai Schub gegeben. "Es besteht allerdings das Risiko, dass durch diesen zusätzlichen Wachstumsschub die Inflation stärker ansteigt als das Wachstum, zumal die Arbeitslosigkeit bereits niedrig ist", so die J.P.-Morgan-Experten. 

Auf die entscheidende Frage, ob das Gespenst der Inflation nur schläft, könne jedoch niemand eine Antwort geben. "Anleger werden deshalb weiterhin sehr sensibel auf Inflationsindikatoren reagieren, was wahrscheinlich zu Volatilitätsschüben an den Märkten führen wird", heißt es. Auch ohne einen nennenswerten Anstieg der zugrunde liegenden Inflation dürfte die US-Notenbank Fed ihre Zinspolitik weiter normalisieren, wodurch die Renditen in den USA im Vergleich zu Staatsanleihen anderer Industrieländer zunehmend attraktiv werden.

Stärke ist nicht von Dauer
Die J.P.-Morgan-Experten rechnen bei allen Positivsignalen nicht mit einem Anhalten der Dollarstärke: "Unseres Erachtens werden andere wichtige Wirtschaftsregionen, darunter Europa und Japan, weiter solide wachsen. Irgendwann im kommenden Jahr wird das Kapital dann wieder in diese Märkte zurückfließen", erklären sie. Auf längere Sicht würden das hohe Handelsdefizit und die scheinbar immer höhere Staatsverschuldung der USA den Dollar belasten. (fp)