Die Waffenruhe im Handelskonflikt zwischen US-Präsident Trump und Chinas Regierungschef Xi Jinping könnte bald ein jähes Ende finden. In den vergangenen 18 Monaten hätte sich die Befürchtung eines drohenden Handelskriegs immer mehr bestätigt, schreiben Analysten des Investmenthauses J.P. Morgan Asset Management in einem aktuellen Marktkommentar. Entsprechend düster fällt ihre Prognose für die globale Wirtschaft aus: "Mehrere Jahre sah unser Basisszenario ein Wachstum über den Trend vor. Jetzt haben wir dessen Wahrscheinlichkeit von 45 Prozent auf 25 Prozent reduziert", sagt Chefanlagestratege Robert Michele.

Sowohl das Verbrauchervertrauen als auch das Geschäftsklima kühlen sich zusehends ab. "Die Unternehmen wissen inzwischen überhaupt nicht mehr, wo sie investieren sollen, wenn das Ergebnis von Handelsvereinbarungen nicht absehbar ist und die Möglichkeit besteht, dass diese Vereinbarungen einfach geändert oder ignoriert werden", sagt Michele. Daher steigt aus Sicht der Analysten die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession, und zwar von zehn auf 20 Prozent. Auch die Wahrscheinlichkeit für eine Krise sei zuletzt von fünf auf zehn Prozent gestiegen.

Wer zu spät kommt…
Hoffnungsträger ist die US-Notenbank Fed. Sie hat jüngst signalisiert, die Entwicklungen im Handelskrieg zu beobachten und bei Bedarf zu reagieren. "Eine bedeutende, koordinierte Reaktion der Zentralbank könnte die handelsbedingte Abkühlung sicherlich abfedern", sagt Michele. Es bleibe aber die Frage, ob die Fed auf dem aktuellen Niveau überhaupt genug Spielraum hat, um eine Rezession zu verhindern. Auch dürfte die Lockerung nicht ad hoc erfolgen: "Die Zentralbanken könnten zu dem Schluss gelangen, dass es besser ist, die geopolitischen Entwicklungen noch weiter abzuwarten, um dann offensiver zu reagieren", sagt der Anlageprofi. Doch bei Zentralbanken gelte wie auch bei Investoren der Leitsatz: Wer zu spät kommt, hat das Nachsehen. (fp)