Es ist wie das Warten auf Godot: Obwohl die Notenbanken seit Jahren die Kapitalmärkte mit Geld fluten, verharrt die Teuerungsrate auf niedrigem Niveau. "Von Inflation oder gar Hyperinflation, wie von manchen Ökonomen und Analysten beschworen, gibt es seit Jahren keine Spur", sagt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management. Das liegt auch an der Fiskalpolitik, die mit ihrer restriktiven Haltung die inflationäre Wirkung der Geldpolitik quasi neutralisiert.

Die Covid-19-Krise könnte nun aber einen Paradigmenwechsel beschleunigen, der schon vor der Krise begonnen hat – den Abschied von der Austerität. Denn die massiven nationalen Fiskalprogramme zur Pandemiebekämpfung reihen sich laut Galler nahtlos in die Steuersenkungen des US-Präsidenten Donald Trump und den italienischen Budgetstreit der Vorkrisenzeit ein. "Für die Preisstabilität birgt diese Entwicklung erhebliche Risiken, sobald die Coronakrise überwunden wird."

Mit Gold und Aktien gegen die Inflation
Sollten Staaten und Notenbanken ihre expansive Politik nicht drosseln, trifft dann nämlich eine aufgestaute Konsumnachfrage der Privathaushalte auf eine erhöhte staatliche Nachfrage. Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage würde in diesem Szenario das Angebot übersteigen – und die Inflation zu steigen beginnen. Investoren sollten dieses Risiko im Blick haben, rät der Vermögensprofi. In vergangenen Perioden mit steigender Inflation hätten sich vor allem Gold, Aktien und inflationsgesicherte Staatsanleihen bewährt. (fp)