Die ultralockere Geldpolitik der Notenbanken rund um den Globus verzerrt das Bild auf dem US-Aktienmarkt. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGVs) sind kräftig gestiegen, beobachtet Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management. Das haben Investoren aber vor allem den steigenden Kursen zu verdanken. Die Gewinne sind dagegen gefallen. Das zukünftige Potential der US-Aktienmärkte hat aus Sicht des Experten deshalb nachgelassen.

Die Rally angefeuert haben vor allem Wachstumstitel wie die Tech-Giganten Google und Amazon. "Ganz untypisch für eine Markterholung am Ende einer Rezession hat es keinen Umschwung hin zu Value-Titeln gegeben", sagt Galler. Statt etwa Energie- oder Finanzwerte bevorzugen Investoren nach wie vor Wachstumstitel und setzen weiterhin auf die relativen Gewinner der Coronakrise. Dazu zählen vor allem online-basierte Geschäftsmodelle.

Breitere Diversifikation nötig
An die Erholung klassischer zyklischer Branchen glauben Investoren nicht. "Die Bewertungsdivergenzen innerhalb des Aktienmarkts sind dadurch nach unserer Einschätzung auf das höchste Niveau seit der Jahrtausendwende gestiegen", sagt Galler.

In der aktuellen Situation gelte es daher nun, einen balancierten Ansatz zu finden. Wichtig sei es, sich auf Qualitätsunternehmen mit solider Bilanz zu konzentrieren – diese finde man sowohl im Growth- als auch im Value-Segment, ebenso wie einerseits bei Large Caps als auch bei Small oder Mid Caps. Gleichwohl müssten wegen der weltweit tiefen Zinsen neue Wege bei der Anlage gegangen werden, sowohl mit Blick auf die Renditen als auch auf das Risikomanagement, ist der Stratege überzeugt. "Alternative Anlagen helfen die Rendite-Risiko-Struktur zu verbessern", sagt Galler. Dazu zählten beispielsweise Fonds mit Makro-Strategien, Immobilien und Infrastruktur-Investments. (fp)