J.P. Morgan AM: "Es geht nicht nur um Technologie!"
Investmentexperte Sven Anders von J.P. Morgan AM nennt im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE mehrere gute Gründe, warum US-Aktien auch weiterhin gegenüber anderen Aktienmärkten übergewichtet bleiben sollten. Ein überraschendes Argument ist deren relativ günstige Bewertung.
"US-Aktien sind zu wichtig, um sie in der institutionellen Portfoliokonstruktion wegzudenken", erklärte Sven Anders, Investment Specialist für US-Aktien bei J.P. Morgan Asset Management, am Rande der Neujahrs-Investorenkonferenz des US-Hauses vor wenigen Tagen in Wien im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE.
Teure Klumpen?
Am ersten Blick scheinen US-Aktien, gemessen am S&P 500, im historischen Vergleich teuer. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis des breiten Index lag Ende 2025 bei rund 22. Die in den vergangenen Jahren gut gelaufenen Technologie- und Kommunikationsaktien respektive die Top-Ten-gewichteten Aktien im S&P 500 hatten sogar ein durchschnittliches KGV von über 30.
Hinzu kommt eine inzwischen sehr hohe Index-Konzentration, die zu Klumpenrisiken führt: So haben die zehn schwersten S&P-500-Aktien mittlerweile eine Gewichtung von rund 41 Prozent. Zum Vergleich: Die durchschnittliche S&P-500-Aktie hat lediglich eine Index-Gewichtung von zirka 0,20 Prozent. Bei einer Median-Betrachtung fällt dieser Wert auf bescheidene 0,06 Prozent, wie Sven Anders erklärte.
Gewinne und Margen rechtfertigen gestiegene Kurse
Für den US-Spezialisten sind die aktuellen Bewertungen jedoch gerechtfertigt, da die Unternehmen des S&P 500 im abgelaufenen Jahr ihre Gewinne um etwa zwölf Prozent steigerten und für die Jahre 2026 und 2027 jeweils Gewinnsteigerungen in Höhe von rund 15 Prozent prognostiziert werden. Für die "Magnificent Seven" werden für 2026 Gewinnsteigerungen von 24 Prozent erwartet. Für die restlichen 493 Index-Mitglieder des S&P 500 liegt der erwartete Zuwachs bei immerhin zwölf Prozent. "Das aktuelle KGV-Niveau ist berechtigt und ist nicht so hoch wie es scheint, weil es ein hohes Gewinnwachstum gibt", erklärte Anders.
Nicht nur die Gewinne untermauern das aktuelle Bewertungsniveau. Die durchschnittliche Marge der Index-Unternehmen ("Earnings/Sales") lag per Ende des dritten Quartals bei fast 14 Prozent und damit in der Nähe eines langjährigen Rekordhochs, das zuletzt kurzfristig im Nachgang der Corona-Krise erzielt wurde.
Keine marktbreite Blase
Sven Anders empfiehlt Investoren, nicht nur auf die nackten Bewertungskennziffern, sondern auf die Qualität der dahinterstehenden Unternehmen zu schauen, die in den USA grosso modo überzeugt. Sofern Anleger glauben, dass Technologie weiterhin ein wichtiges Zukunftsthema ist, sollten diese auch weiter in US-Aktien investieren.
Eine Blase sieht Anders derzeit im Vergleich zur TMT-Blase im Jahr 2000 nämlich nicht. Im Unterschied zur Vergangenheit, als viele der hoch bewerteten Unternehmen noch keine Gewinne erzielten und anschließend kollabierten, sind die jetzigen Top-Konzerne hochprofitabel und generieren vor allem stabile Cashflows. Diese Gelder fließen in andere Sektoren und lösen eine Art "Aufwärtsspirale", alias "Engelskreis", aus.
Technologiekonzerne kurbeln die Wirtschaft an
Nach Ansicht von Sven Anders sollten Investoren das Thema Technologie zudem breiter sehen, insbesondere vor dem Hintergrund der massiven KI-Investments der großen Technologiekonzerne. Denn durch deren hohen Ausgaben in Rechenzentren und sonstiges Equipment würden andere Branchen eine Art "Sonderkonjunktur" erleben. Anders nannte beispielhaft Versorger als Stromlieferanten, die Industrie als Errichter der notwendigen Infrastruktur, Grundstoffhersteller als Lieferanten von Kupfer oder auch Finanzwerte, die an den dafür notwendigen milliardenschweren Finanzierungen verdienen. "Es geht nicht nur um Technologie", betonte der J.P.-Morgan-AM-Mann.
Zusätzlich zu den genannten Branchen zeigt laut Anders das fundamentale Research von J.P. Morgan Asset Management auch noch für die Branchen Medien und Gesundheitswesen und dort im Speziellen für die Anbieter von Equipment für Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen vielversprechende Chancen.
Als weniger aussichtsreich zeigen sich dagegen derzeit die Gewinnaussichten für die Branchen respektive Sektoren Immobilien, defensiver Konsum und teilweise zyklische Industrie.
Umso wichtiger ist Sven Anders zufolge gerade derzeit aktives Management, um im aktuell dynamischen, disruptiven Umfeld die "richtigen" Branchen und Aktien zu selektieren und mögliche Fehlinvestments zu vermeiden.
Ist Europa wirklich viel günstiger als der US-Markt?
Gegen Ende des Gesprächs begründete Anders, warum der US-Aktienmarkt auf Index-Ebene, beispielsweise im Vergleich zu Europa, nur am ersten Blick teuer erscheint. Falls man von einem reinen Index-Vergleich abrückt und auf Branchenebene die jeweiligen "passenden" Unternehmen der verschiedenen Sektoren und Branchen dies- und jenseits des Atlantiks fundamental vergleicht, sieht es ganz anders aus. In diesem Fall wären beide großen Märkte annähernd gleich bewertet, respektive die USA würden bei den KGVs lediglich um rund fünf Prozent teurer sein.
Sofern man das zukünftig erwartete, höhere Gewinnwachstum der US-Unternehmen mitberücksichtigt und ein Price Earnings Growth Ratio (PEG Ratio) ermittelt, war der S&P-500-Index im Vergleich zum MSCI Europe per Stichtag 31. Dezember 2025 sogar leicht unterbewertet, wie nachfolgende Grafik zeigt. (aa)
Price Earnings Growth Ratio im historischen Vergleich

Quelle: J.P. Morgan AM




Vortrag am FONDS professionell KONGRESS












