Erste die Krise, dann die Rezession: Über das grundsätzliche Szenario für die Zeit unmittelbar nach der Pandemie sind sich die Experten einig. Langfristig erwartet Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, trotz der massiven Auswirkungen des Coronavirus auf die Wirtschaft jedoch keine unmittelbaren Folgen für deren Wachstum: "Wir haben es aktuell mit einer Rezession und einem Baissemarkt zu tun, aber auch mit dem Beginn eines neuen Zyklus.“ Dieser werde seine eigenen Merkmale aufweisen, die zum Teil schon jetzt durch zahlreiche geld-und fiskalpolitische Maßnahmen geformt würden. „Es ist aber wichtig, in dieser Situation nicht zyklische Themen mit langfristigen Herausforderungen zu vermischen", betont Galler.
 
Insbesondere Aktien und alternative Anlagen dürften nach Ansicht des Kapitalmarktexperten auf lange Sicht profitieren. "Auch wenn die derzeitige Rezession in diesem und voraussichtlich auch im nächsten Jahr auf Unternehmensgewinne und – bei Inanspruchnahme von Staatshilfen – auch Dividenden Auswirkungen hat, sehen wir langfristig die Trendgewinne und -margen weitgehend stabil", erläutert Galler. Je tiefer die Kurse kurzfristig fallen, desto stärker sei auch der Impuls für die langfristig erwarteten Renditen.
 
Investitionschancen in Sicht
Kapitalmarkstratege Galler ist sich sicher, dass nach der Rezession ein kräftiges Wirtschaftswachstum einsetzt und dass sich auch weiterhin Investitionschancen bieten. "Die Coronakrise ist eine zyklische Entwicklung und wird vielleicht sogar als Katalysator Themen und Trends verstärken, die wir schon vorher gesehen haben", sagt er.
 
Die Zentralbanken manövrieren sich allerdings derzeit in eine Situation, wo ihr Spielraum, unabhängig zu agieren, immer enger wird, warnt Galler. Deswegen müssen sich Anleger auf weiterhin niedrige Zinsen einstellen. "Sie sollten ihre Allokation diversifizierter und aktiver als je zuvor an die Herausforderungen anpassen", rät der Experte. (fp)