Die Krise chinesischer Wohnungskonzerne, allen voran Evergrande, hatte zuletzt Ängste vor einem weiteren Dominoeffekt geschürt, der in eine Finanzkrise führen könnte. Der chinesische Aktienmarkt schwächelt, der MSCI China hat von seinem Allzeithoch bis Ende September rund 30 Prozent an Wert verloren. Steht also tatsächlich die große Finanzkrise vor der Tür? Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt, glaubt nicht daran.

Drei Argumente gegen den Crash
Als ersten Grund führt der Finanzexperte an, dass der Immobilienkonzern Evergrande nicht repräsentativ für die Branche sei: "Kaum ein anderes Unternehmen hat in den letzten Jahren so aggressiv expandiert und damit so risikoreich agiert." Die Verbindlichkeiten sind innerhalb von zehn Jahren um das 25-fache gestiegen – in der Branche der Bauträger insgesamt hingegen nur um das Sechsfache, so seine Feststellung.

Das zweite Gegenargument sieht Galler im "ordentlichen Bewertungspuffer", den die großen chinesischen Banken gegen fallende Immobilienpreise einräumten. Der Beleihungssatz beim Immobilienkauf betrage maximal 60 Prozent, das aktuelle Kreditbuch sei moderat durch notleidende Kredite belastet.

Außerdem geht Galler drittens davon aus, dass die Regierung in Peking einen "finanziellen Schutzwall um die angeschlagenen Immobilienentwickler errichten" dürfte. So würden im Insolvenzfall die negativen Folgen für betroffene Wohnungskäufer, Bau- und Handwerksunternehmen und Banken reduziert. (fp)