An den Kapitalmärkten bahnt sich ein Gezeitenwechsel an: Nach Jahren der wirtschaftlichen Expansion und steigender Unternehmensgewinne stehen die Zeichen heute auf Sturm. Bevor die "Bären" das Kommando übernehmen, galt bislang als der normale Weg, Anleihen mit hoher Qualität ins Portfolio aufzunehmen: Zum einen bietet der Zinscoupon einen Ertragspuffer, zum anderen steigen die Kurse von Qualitätsanleihen in der Regel, wenn es am Aktienmarkt kriselt. Das ist heute anders. "Durch die Niedrigzinspolitik hat sich die Situation grundlegend verändert", sagt Tilman Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan AM.

Denn inzwischen führt die traditionelle Risikodiversifikation zu erheblichen Ertragseinbußen im Gesamtportfolio: Der Bloomberg Barclays Euro Aggregate Index, der die Wertentwicklung von Euro-Anleihen mit hoher Bonität widerspiegelt, hat im August zum ersten Mal in der Historie ein negatives Renditeniveau erreicht. "Die laufenden Erträge klassischer europäischer Mischportfolios kommen inzwischen zu fast 100 Prozent von der Aktienseite", sagt Galler.

Alternative Anlagen sind Trumpf
Der Anlageprofi rät Investoren zu internationaler Diversifikation, um die Widerstandsfähigkeit des eigenen Portfolios im Spätzyklus zu erhöhen. "Qualitätsanleihen in den Dollar-Währungen haben trotz globalem Renditerückgang noch ein höheres Renditeniveau als in der Eurozone. Allerdings muss man bereit sein, das Währungsrisiko zu tragen", sagt Galler. Eine andere Möglichkeit seien alternative Anlagen wie Immobilien, Infrastruktur, Transport und Makro-Hedgefonds-Strategien. Neben einer relativ geringen Korrelation zu Aktienrisiken liege das Renditeniveau hier immer noch im mittleren bis oberen einstelligen Bereich, erklärt der Kapitalmarktstratege. (fp)