Joe Davis: "Wir sprechen von einer enormen Unsicherheit"
Die makroökonomischen Modelle von EZB, Fed, IWF und Co. unterschätzen den disruptiven Charakter der Gegenwart. Um zu verstehen, welche Faktoren Wachstum und Produktivität tatsächlich antreiben, braucht es ein Umdenken. Davon jedenfalls ist Joe Davis, Chefökonom von Vanguard, überzeugt.
In seinem im Mai vergangenen Jahres erschienenen Buch "Coming into View" argumentiert Joe Davis, Global Chief Economist von Vanguard, dass das gewohnte "Status quo"-Bild der US‑Wirtschaft mit stabilen Mustern bei Wachstum, Inflation und Renditen zunehmend unwahrscheinlich wird, weil zwei Kräfte miteinander ringen: produktivitätssteigernde KI einerseits versus demografiegetriebenen, inflationären Fiskaldefiziten andererseits.
"Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass viele der klassischen Prognoseansätze, auch die von Zentralbanken und anderen renommierten Institutionen, zu sehr von einer linearen Fortsetzung des Status quo ausgehen", erklärt Davis dazu. Wenn zum Beispiel Deutschland über eine gewisse Zeitspanne im Schnitt um jährlich ein Prozent wachse, so würden viele Modelle davon ausgehen, dass es auch in den folgenden Jahren so sein werde.
Die sehr stark datengetriebenen Analysen von Davis und seinem Team aber würden zeigen: Die Wahrscheinlichkeit, dass solche Konsensprognosen wirklich eintreffen, liegt unter 20 Prozent! Davis: "Wir sprechen also von einer enormen Unsicherheit." Bei Vanguard habe man daher in den vergangenen zehn Jahren ein Modell entwickelt, das nicht nur auf Faktoren wie Demografie, Staatsverschuldung oder Haushaltsdefizite setze und als datenbasiertes Rahmenwerk zur Ableitung von Wahrscheinlichkeiten für beide Szenarien diene. Für die aktuelle Magazinausgabe von FONDS professionell haben wir dazu mit dem Ökonomen gesprochen. (hh)
Einige ausgewählte Zitate aus dem Interview mit Joe Davis haben wir in der Bilderstrecke oben für Sie zusammengetragen – einfach durchklicken. Das vollständige Gespräch findet sich in Ausgabe 4/2025 von FONDS professionell ab Seite 120. Angemeldete Nutzer können den Beitrag auch hier im E-Magazin lesen.




Vortrag am FONDS professionell KONGRESS












