Während der Coronakrise gibt es in Sachen Bargeld zwei Lager: Die Konservativen, die gerade in Krisenzeiten auf Bargeld als sicheren Hafen setzen, und diejenigen, die das Ende der Geldscheine und Münzen ausrufen. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, der seinen Posten Ende des Jahres aufgibt, hat in seiner Eröffnungsrede eines Bundesbank-Symposiums in Berlin eine Lanze für Bargeld gebrochen, berichten das "Handelsblatt" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) übereinstimmend.  

Anlass ist die geplante Einführung eines digitalen Euro. Die Währung sieht Weidmann nicht ausschließlich positiv – neben den Chancen nimmt er auch Risiken wahr. "Klar ist: Der digitale Euro wird nicht die Anonymität des Bargelds bieten können. Schließlich hinterlassen digitale Zahlungen immer Spuren", zitiert ihn das "Handelsblatt". "Gerade angesichts der Risiken könnte es sinnvoll sein, beim digitalen Euro schrittweise vorzugehen", rät Weidmann. Das heiße, den digitalen Euro zunächst mit einem bestimmten Bündel an Eigenschaften auszustatten, die wichtige Einsatzmöglichkeiten als Zahlungsmittel erlauben. Später könnten weitere Funktionen hinzugefügt werden.

Unersetzliches Bargeld
Derzeit werden noch 60 Prozent der Transaktionen in Deutschland in bar angewickelt. Seit Beginn der Pandemie im vergangenen Frühjahr werben aber immer mehr Einzelhändler fürs kontaktlose Bezahlen. Auch das Wachstum im Online-Handel kommt digitalen Bezahlmöglichkeiten zugute. Weidmann ist laut "Handelsblatt" dennoch überzeugt, dass sich Bargeld durch nichts ersetzen lässt. "Kein anderes Zahlungsmittel wird alle seine Eigenschaften nachbilden können. Auch nicht der digitale Euro." (fp)