Dass Jens Ehrhardt Erfahrung als Fondsmanager hat, ist eine starke Untertreibung. Seit den 1970er Jahren lenkt er Fonds, angefangen mit dem breit ausgerichteten FMM-Fonds, der immer noch existiert. In dieser Zeit hat der heute 83-Jährige viele Entwicklungen an den Kapitalmärkten gesehen, darunter einige Krisen, aber auch Börsenrekorde.

Seit einigen Jahren beobachtet Ehrhardt nun, dass die Geopolitik die Märkte viel stärker beeinflusst als noch vor vielleicht zehn Jahren, wie er in einem Gespräch mit dem "Handelsblatt" berichtet. "Man könnte auch sagen: Es gibt mehr Schwarze Schwäne als früher", so Ehrhardt gegenüber der Zeitung.

"Nicht versuchen, alle möglichen Marktbewegungen vorauszusehen"
Er betont aber, trotz allem nicht zu versuchen, alle möglichen Marktbewegungen vorauszusehen und überall dabei zu sein. "Damit bin ich in der Vergangenheit gut gefahren. Und auch wenn es immer wieder Schwarze Schwäne gibt, halte ich mich an das, was ich immer gemacht habe: Ich schaue mir an, was die Unternehmens- und Wirtschaftsdaten zeigen und was die Notenbanken machen."

Aufgrund dieser Analyse sieht er aktuell eine enorme Aktienkonzentration. Der Aufschwung in den USA werde nur von ganz wenigen Werten getragen. Dort machten zehn Riesenunternehmen 40 Prozent des Marktes aus. "Eine solche Kopflastigkeit, wie wir sie gerade beim Leitindex S&P 500 und anderen Indizes sehen, habe ich in meinen 60 Jahren am Markt noch nie erlebt", sagte Ehrhardt dem "Handelsblatt".

"Viele Tech-Konzerne investieren aus dem Cashflow heraus"
Zu diesen Unternehmen gehören insbesondere Technologiefirmen, die auch im Bereich künstlicher Intelligenz (KI) aktiv sind. Eine KI-Blase, ähnlich wie die Dotcom-Blase Anfang der 2000er Jahre, sieht der Chef des Vermögensverwalters DJE Kapital gleichwohl nicht. Er verweist darauf, dass heute viele Tech-Konzerne, allen voran die ganz großen wie Apple, Microsoft und Alphabet, Investitionen in KI aus dem Cashflow heraus stemmen. "Diese Unternehmen haben genügend Geld aus ihren anderen Geschäftsfeldern", so Ehrhardt.

Um die Jahrtausendwende dagegen habe jedes Unternehmen Geld bekommen, "das überspitzt gesagt eine schicke eigene Website betrieb, Unsummen, und das Geld war nicht selten geliehen", erinnert er. Daher hat Ehrhardt nun einen anderen "Crash-Indikator": "Beim KI-Boom werden bei mir alle Warnleuchten angehen, wenn weniger Chips bestellt werden. Daher verfolge ich besonders aufmerksam, was bei Taiwan Semiconductor passiert", zitiert ihn die Zeitung. (jb)