Der vom Gläubigerschutzverband KSV1870 durchgeführte Austrian Business Check zur Zahlungsmoral in Österreich zeigt, dass die öffentliche Hand in diesem Thema ein schlechtes Vorbild ist: Mit durchschnittlich 34 Tagen braucht der öffentliche Sektor doppelt so lang, um seine Rechnungen zu begleichen, wie die Privatleute in Österreich (17 Tage). Besonders deutlich hinken in dem Sektor Bund und Länder hinter: "Mit einer durchschnittlichen Zahlungsdauer von 37 Tagen verstoßen sie sogar gegen die von ihnen selbst gesetzlich festgelegten Zahlungsfristen", heißt beim KSV. Als Hauptmotive für verspätete Zahlungen werden die Ausnützung der Machtposition (Öffentliche Hand), Ineffizienz der Verwaltung (Firmenkunden) und Vergesslichkeit (Privatkunden) angegeben.

Unter den Firmen zahlen 23 Prozent nicht innerhalb der vereinbarten Fristen. Insgesamt begleichen Firmen die Rechnungen nach 29 Tage. Auffallend ist, dass sich quer durch alle Branchen speziell große Unternehmen besonders viel Zeit lassen: "Einer der Gründe, warum gerade die Großen langsam bezahlen, ist, dass interne Wege länger sind und die Verwaltung teilweise ineffizient organisiert ist", erklärt Walter Koch, Geschäftsführer der KSV1870 Forderungsmanagement GmbH.

Forderungsmanagement – Mahnspesen nicht immer üblich
In Österreich werden jährlich zumindest 1,9 Millionen Rechnungen in der Höhe von 1,35 Milliarden Euro selbst nach versendeten Zahlungserinnerungen und Mahnungen nicht bezahlt. Rund ein Fünftel der nicht bezahlten Rechnungen wird an externe Dienstleister wie etwa Inkassoinstitute übergeben. "Ich kann nur empfehlen, bei auftretenden Zahlungsschwierigkeiten mit uns in Kontakt zu treten. Denn es ist nach wie vor so, dass ein Anruf von unserer Seite genügt und die Schulden werden beglichen", erklärt Koch.

Im Vergleich zu früheren Jahren sind Mahnspesen und Verzugszinsen nicht mehr das Allheilmittel für pünktliche Zahlungen. Der Großteil ist bereits froh, wenn zumindest die Hauptforderung von den Schuldnern beglichen wird. Knapp 36 Prozent der Befragten verzichten bei säumigen Firmen- oder Privatkunden von vornherein auf Zusatzkosten. Am öffentlichen Sektor sind es rund 44 Prozent.  (eml)