Der japanische Aktienindex Nikkei 225 ist am Montag (27.10.) erstmals über die Marke von 50.000 Punkte gestiegen. Treiber der jüngsten Rally sind laut Lucas Brauner, Japan-Ökonom bei der DWS, die KI-Euphorie, ein schwächerer Yen und eine neue politische Konstellation in Tokio.

Politischer Rückenwind
Nach der Wahl von Sanae Takaichi zur Premierministerin und der Bildung einer Koalition zwischen ihrer Liberaldemokratischen Partei (LDP) und der reformorientierten Japan Innovation Party (Ishin) setzen die Marktteilnehmer auf die Umsetzung einer wachstumsfreundlichen Agenda. Die Aussichten auf fiskalische Anreize, eine unterstützende Geldpolitik und verstärkten Reformdruck wecken laut DWS-Ökonom Brauner derzeit Hoffnungen an den Märkten.

Die Hausse der japanischen Aktien basiere jedoch nicht allein auf politischen Impulsen, meint der Experte. Strukturelle Kräfte würden den Aufschwung verstärken, dazu zählt er die Rückkehr ausländischer Investoren, Reformen der Unternehmensführung und Aktienrückkäufe japanischer Unternehmen in nahezu Rekordhöhe. Einen wichtiger Treiber der aktuellen Dynamik sieht Brauner auch in der Marktstruktur. Während Technologieaktien immer volatiler werden, hätten Industrie- und Finanzaktien die Indizes nach oben gezogen. Sie würden von steigenden Renditen und der Aussicht auf fiskalische Unterstützung profitieren.

Geldpolitik im Fokus
"Die Geldpolitik der Bank of Japan bleibt ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt", sagt der Japan-Ökonom. Nach dem Ausstieg aus der Negativzinspolitik hält er weitere Zinserhöhungen für wahrscheinlich, auch wenn diese erst mit etwas Verzögerung kommen. Diese Verzögerungen sollten den Märkten genügend Zeit geben, die fiskalischen Impulse zu absorbieren und den Übergang zu höheren Nominalrenditen abzufedern, wodurch die wirtschaftliche Erholung gesichert würde. Die Aussichten für Japans Aktienmarkt hält Brauner für positiv. (jh)