Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat gewarnt, dass der US-israelische Krieg gegen den Iran einen "globalen, aber asymmetrischen" Schock auslösen könnte, der die Aussichten für Volkswirtschaften eintrübt, die sich gerade erst von früheren Krisen erholt haben.

Länder in Afrika und Asien, die stark von Ölimporten abhängig sind, hätten bereits zunehmend Schwierigkeiten, die benötigten Lieferungen zu sichern – "selbst zu überhöhten Preisen", erklärte der IWF in einem am Montag (30.3.) veröffentlichten Blogbeitrag.

Höhere Preise, schwächeres Wachstum
"Alle Wege führen zu höheren Preisen und langsamerem Wachstum", so der IWF. Die endgültigen Auswirkungen auf Lieferketten und Infrastruktur hingen davon ab, ob sich der Konflikt als kurz oder lang erweise.

Die Welt könnte sich jedoch "irgendwo dazwischen einpendeln – Spannungen halten an, Energie bleibt teuer und die Inflation lässt sich nur schwer eindämmen", so der IWF weiter. Damit blieben Unsicherheit und geopolitische Risiken bestehen.

Sorge vor weiterer Eskalation
Die Nordseesorte Brent steuert auf den stärksten monatlichen Anstieg aller Zeiten zu. US-Präsident Donald Trump wiederholte seine Drohungen, iranische Energieanlagen zu zerstören, falls die Straße von Hormus nicht bald wieder geöffnet werde. Dies schürt die Sorge vor einer weiteren Eskalation des Krieges, der am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels auf den Iran begann.

Risiken für Ernährungssicherheit
Über die Energieprobleme hinaus wirken sich steigende Preise für Lebensmittel und Düngemittel auf zahlreiche Länder vom Nahen Osten bis nach Lateinamerika aus. Besonders Volkswirtschaften mit niedrigem Einkommen seien von Ernährungsunsicherheit bedroht, warnte der IWF.

Die Unterbrechung von Lieferungen wichtiger Düngemittel aus der Golfregion falle zudem genau in den Beginn der Aussaatsaison auf der Nordhalbkugel und gefährde damit die Ernten im weiteren Jahresverlauf.

Ärmere Länder besonders betroffen
"Menschen in Ländern mit niedrigem Einkommen sind besonders gefährdet, wenn die Lebensmittelpreise steigen, da diese im Durchschnitt etwa 36 Prozent ihrer Ausgaben ausmachen – verglichen mit 20 Prozent in Schwellenländern und neun Prozent in Industrieländern", heißt es in dem Beitrag, der unter anderem von den Ökonomen Tobias Adrian und Jihad Azour verfasst wurde.

"Das macht jeden Anstieg der Düngemittel- und Lebensmittelpreise nicht nur zu einem wirtschaftlichen, sondern auch zu einem sozial-politischen Problem – insbesondere dort, wo fiskalische Spielräume zur Abfederung begrenzt sind", so die IWF-Experten.

Der Währungsfonds will im kommenden Monat einen detaillierten Bericht zur globalen Wirtschaftslage veröffentlichen. Anlass sind die Frühjahrstagungen von IWF und Weltbank in Washington, bei denen sich Finanzminister und Notenbankchefs treffen werden. (mb/Bloomberg)